5.7.26

Schreiben beginnt mit Beobachten

Häufig höre ich die Frage, wie man am besten mit dem Schreiben beginnen könnte. Meine Antwort darauf lautet meist: Das zu Papier bringen, was spontan in den Sinn kommt.

Das klingt zunächst einfach. Wer jedoch noch nie Journal oder Tagebuch geführt oder regelmäßig Notizen gemacht hat, steht sofort vor der nächsten Frage: Wie soll ich das konkret machen? Was ist dabei zu beachten? Kann ich etwas falsch machen?

Genau darum geht es in diesem Blogbeitrag. Wir schauen uns die ersten Schritte für alle an, die noch ganz am Anfang stehen und sich fragen, wie sie mit Selbstbeobachtung und Selbstreflexion praktisch beginnen können.

Worauf schreibe ich?

Nimm das, was Du bereits zu Hause hast, wie den nächsten Notizblock. Du musst Dir nicht zusätzlich dafür ein Notizbuch kaufen, wenn Du erst am Anfang stehst. Es kann sogar schreibhemmend wirken, wenn man sich ein besonders schönes Notizbuch kauft, weil man sich dann denkt, zu Beginn müsse etwas Besonderes stehen. 

Auch ich habe mich schon in schöne Notizbücher verliebt, die ich unbedingt haben wollte, und dann lag es jahrelang zu Hause herum, weil ich auf den geeigneten Moment oder einen besonderen ersten Eintrag gewartet habe, der natürlich nie kam. Mittlerweile bin ich hemmungslos und starte einfach los. Aber das musste ich auch erst lernen.

Womit schreibe ich?

Verwende das Schreibwerkzeug, das Du bereits hast und sich für Dich angenehm anfühlt. Ob Werbekugelschreiber, Gelschreiber, Füllfederhalter, Bleistift oder was auch immer – die Hauptsache ist, Du schreibst gut und gerne damit. Nachdem Du nur für Dich Deine Beobachtungen notierst, was in erster Linie ausschließlich für Deine Augen bestimmt ist, zählt hauptsächlich, dass Du Dich dabei wohlfühlst.

So habe ich mir früher eingebildet, dass ich mein Tagebuch immer mit Füllfelderhalter schreiben „muss“. Eines Tages gab es das Problem, dass ständig die Tinte ausgeronnen ist, weil es einen feinen Haarriss bei diesem ultraleichten und schicken Füllfederhalter gab. Ich war in Panik. Womit sollte ich bitte schreiben? Es musste sofort ein neuer Füllfederhalter her. Du siehst also: Auch ich bin nicht vor solchen oberflächlichen Denkfehlern gefeit.

Was schreibe ich auf?

Mit dem Schreiben zu beginnen, kann ganz einfach sein: Wir notieren stichwortartig, was uns aufgefallen ist. Eines meiner ersten Tagebücher als Kind war ein Beobachtungstagebuch. Dort stand der Tag und welches Tier ich gesehen habe. Zum Beispiel: 15. Mai: Eidechse, 20. Mai: Amsel. 

Du siehst also, es muss nichts Großes oder Bedeutendes sein, das Du Dir aufschreibst. Es ist auch nicht erforderlich, dass Du in ganzen Sätzen oder mit vermeintlich schönen Formulierungen startest. Viel wichtiger ist, dass Du längerfristig dranbleibst. 

Wir beobachten ständig

Jeden Morgen, wenn wir die Augen öffnen, geht es bereits los. Wir hören vielleicht Geräusche, die uns geweckt haben. Wir sehen den Raum, in dem wir aufwachen. Später spüren wir die Zahnbürste im Mund und das Wasser beim Duschen oder Baden auf der Haut. Wir riechen und schmecken unser erstes Getränk oder auch das Essen dieses Tages. Für uns ist das alles selbstverständlich. Wir beobachten ohnehin ständig, aber meist unbewusst.
 
Erst, wenn etwas anders ist als sonst, fällt es uns auf. Wenn unser Wecker zu früh klingelt, es im Hochsommer beim Aufwachen draußen noch dunkel ist oder das Frühstückgetränk zu kalt oder zu heiß ist, werden wir vermutlich irritiert bis verärgert sein. Bringt uns jemand an einem besonderen Tag etwas ans Bett, was wir gerne morgens zu uns nehmen oder bekocht uns ein lieber Mensch mit unserer Lieblingsspeise oder lädt uns in unser Lieblingslokal ein, sind wir vermutlich positiv überrascht.

Notiere, was für Dich wichtig ist

Ich habe mir angewöhnt, mein Notizbuch ständig bei mir zu haben und schreibe mir alles auf, das mir ein- oder auffällt. Das kann etwas für die Einkaufsliste sein oder etwas, das ich heute noch erledigen möchte, ein Termin für eine Einladung oder auch eine Idee für einen Blogbeitrag wie diesen. 

Manchmal schreibe ich mir eine Frage auf, die mich in dem Moment beschäftigt, den Titel eines Buchs oder den Namen einer Person, von der mir jemand erzählt. Gelegentlich sehe ich etwas in einem Schaufenster, das ich interessant finde, mache spontan ein Foto und schreibe mir kurz auf, was mir dazu gedacht ist.

Häufig notiere ich mir körperliche oder gefühlsmäßige Zustände, wie: Heute keinen Bock auf Sport gehabt. Als ich mich überwunden hatte, fiel es plötzlich leichter als gedacht. Jetzt bin ich stolz auf mich. Du siehst, es sind alltägliche Dinge und somit keine Raketenwissenschaft.

Was dann passiert

In dem Moment, in dem wir etwas beobachten, erscheint es uns vollkommen normal. Mittlerweile weiß ich aus meinen eigenen Beobachtungen: Solche Erinnerungen verblassen schneller, als ich glaube. Wenn ich mich jetzt darüber freue, so wie ich in dem Sport-Beispiel, weiß ich, dass ich das wahrscheinlich schnell wieder vergessen werde.

Habe ich es mir jedoch aufgeschrieben, kann es fürs nächste Mal hilfreich sein, wenn ich keine Lust aufs Training habe. Die kleine Notiz erinnert mich daran, dass ich es bereits einmal geschafft habe. Mich motiviert es, dranzubleiben. Für Dich kann eventuell auch das Gegenteil der Fall sein.

Finde Deinen eigenen Weg

Daher empfehle ich Dir, es einfach auszuprobieren. Ein Anhaltspunkt könnte sein, Dir das zu notieren, das Dir in dem Moment bedeutend erscheint und zu schauen, was danach passiert.

Mit „bedeutend“ meine ich übrigens alles, das Dir auffällt, auch die vermeintlichen Kleinigkeiten. Es sind oft kleine Dinge, die wir bemerken und nicht wissen, wieso sie uns ins Auge stechen. Erst später bemerken wir, dass sie für uns wichtig waren. Folge daher Deinen spontanen Impulsen und lege ohne viel Nachdenken los.

Sobald Du einfach damit startest, machst Du bereits alles richtig. Indem Du dran bleibst, wirst Du dadurch Schritt für Schritt herausfinden, was für Dich am meisten Sinn ergibt.

Manche Personen schreiben sich motivierende Sprüche auf. Andere notieren sich einen Witz, den ihnen jemand erzählt hat. Für Kochbegeisterte ist ein Rezept-Tipp, den sie von jemandem gehört haben, ein Grund für eine Notiz. 

Kreative, Bastel-Fans oder Heimwerkbegeisterte schreiben sich ihre Ideen für die nächsten Projekte auf. Leseratten notieren sich Buchtipps. Wer ein bestimmtes Ziel erreichen möchte, bringt die nächsten Schritte auf Papier. Wer einer besonderen Person eine Freude machen möchte, wird dazu eine Kurznotiz verfassen.

Fazit

Es kann einfach und leicht sein, mit dem Schreiben zu beginnen. Am Anfang könnten wir das, was wir wahrnehmen oder beobachten, verschriftlichen. Dafür reichen bereits ein paar Stichworte auf einem Notizblock.

Wenn Du unter Anleitung starten möchtest, könnte mein Reflexionsclub für Dich interessant sein. Dort gibt es Anregungen zur schriftlichen Selbstbeobachtung und Selbstreflexion, die Möglichkeit, mir Fragen zu stellen oder Dich optional mit anderen auszutauschen.

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