12.4.26

Die Lücke zwischen Wissen und Umsetzung

Im März 2024 hat mir im Zuge eines Podcast-Vorgesprächs einer meiner Gäste ein Buch empfohlen, von dem er begeistert war. Ich habe das registriert und mir sogar eine Leseprobe des Buchs heruntergeladen. Einige Monate später wurde ich auf einen Online-Kurs zum gleichen Thema aufmerksam. Beides habe ich innerlich auf später verschoben. Kürzlich entschied ich mich, den Kurs endlich anzusehen. Dort wurde ausgerechnet jene Autorin zitiert, deren Buch mir seinerzeit empfohlen wurde. 

Das Aha-Erlebnis

Entgegen meinen damaligen Erwartungen war der Kurs deutlich gehaltvoller. In dem Moment wurde mir mein eigener blinder Fleck bewusst: Ich hatte die Bedeutung des Themas völlig unterschätzt. Hinterher fiel mir ein, dass ich im Laufe der letzten Monate immer wieder in unterschiedlichen Zusammenhängen mit dem Thema in Berührung kam. Genau das machte die Sache für mich so aufschlussreich. Rückblickend wurde mir klar, dass ich das Thema in die Schublade „im Großen und Ganzen bekannt“ einsortiert habe. 

Ich musste mir eingestehen, dass ich mir in Wirklichkeit nur einen flüchtigen Überblick verschafft hatte. Zum Glück ist es weder beruflich noch privat ein zentrales Thema für mich. Man stelle sich jedoch vor, jemand hätte näher danach gefragt. Ich wäre vermutlich schnell in Erklärungsnot geraten.

Verstehen ist nicht Erklären

Dieses Phänomen nennt man auch die Illusion der Erklärungstiefe oder auf Englisch Illusion of Explanatory Depth. Gemeint ist damit ein Denkfehler, bei dem wir glauben, etwas ausreichend verstanden zu haben, solange wir nicht dazu aufgefordert sind, es genauer zu erklären. Solange ein Thema nur als allgemeines Gefühl von Klarheit in unserem Kopf vorhanden ist, wirkt es oft stimmiger und vollständiger, als es tatsächlich ist.

Erst in dem Moment, in dem wir anderen Menschen erklären sollen, worum es konkret geht, worauf man achten muss oder warum etwas relevant ist, zeigt sich, wie gut unser Verständnis wirklich ist. Plötzlich reichen Schlagworte und grobe Eindrücke nicht mehr aus. Genau das macht diesen Denkfehler so tückisch. Denn wir bemerken ihn meistens nicht in dem Moment, in dem sie passieren, sondern erst dann, wenn wir unser vermeintliches Wissen in Worte fassen sollen.

Wie gut verstehen wir etwas wirklich?

Vielleicht kennst Du das auch aus anderen Bereichen. Man hat einen Begriff schon oft gehört, einen Zusammenhang grob verstanden oder ein Thema immer wieder gestreift und hält es deshalb innerlich für bekannt. Doch Bekanntheit ist nicht dasselbe wie Verständnis. Etwas kann uns vertraut vorkommen und trotzdem nur oberflächlich erfasst worden sein.

Solche Erkenntnismomente fühlen sich für mich trotzdem unangenehm an, weil ich darüber entsetzt bin, welche Streiche mir mein Gehirn (wieder einmal) gespielt hat. Wenig später beruhige ich mich wieder mit dem Gedanken, dass kognitive Verzerrungen Abkürzungen unseres Gehirns sind, daher unbewusst ablaufen und es allen anderen Menschen ebenso geht wie mir.

Einfacher Erklärungs-Check

Wenn Du überprüfen möchtest, wie sattelfest Du tatsächlich in einem Thema bist, schreibe die Erklärung auf. So merkst Du schnell, ob Du etwas wirklich verstanden hast. Was in Deinem Kopf noch stimmig und schlüssig wirkt, zeigt schwarz auf weiß rasch seine Lücken. Das ist einer der praktischen Vorteile des Schreibens. Schreiben bewahrt uns mitunter davor, vorschnell zu urteilen oder in Gesprächen und anderen Situationen ein unachtsames Hoppala zu begehen. Wobei wir darauf achten müssen, dass wir nicht in eine weitere Fallgrube plumpsen. Denn zwischen einem logisch nachvollziehbaren Gedanken und seiner konsequenten Umsetzung im Alltag liegt eine weitere Lücke.

Fit und schlank werden

Damit das nicht zu theoretisch bleibt, folgt gleich ein praktisches Beispiel: Falls Du meine Inhalte ein wenig kennst, weißt Du eventuell, dass ich früher 20 kg schwerer und deutlich unsportlicher war als heute. 2009 habe ich zwar theoretisch gewusst, dass ich mit anderer Ernährung und mit mehr Bewegung wieder fitter und schlanker werde. Allerding wusste ich weder im Detail, was ich tun muss, noch wie ich das konsequent im Alltag praktisch umsetzen soll. Heute, fünfzehn Jahre später, bin ich deutlich schlauer als damals.

Allerdings dachte ich damals, dass ich ohnehin bestens Bescheid weiß: Mit besserer Ernährung und mehr Bewegung werde ich wieder fitter und schlanker. Es ist auch kein geheimes oder schwer zugängliches Wissen. Doch genau darin lauerte der nächste Denkfehler: Allgemein verfügbares Wissen wirkt schnell so, als wäre damit alles klar. 

Dabei übersehen wir einen weiteren Aspekt. Wir verlassen uns auf allgemein bekanntes und verfügbares Wissen, obwohl die eigentliche Herausforderung die individuelle Anwendung ist. Denn was zu Beginn logisch klingt, ist noch lange nicht automatisch in den eigenen Alltag übersetzt. In der Praxis erleben wir, dass es deutlich komplizierter ist. Es ersetzt auch nicht die ehrliche Auseinandersetzung mit der Frage, was wir wann und wie tatsächlich tun, was wir regelmäßig unterlassen und an welchen Stellen wir uns selbst immer wieder etwas vormachen. 

Was wir leicht finden, brauchen wir uns nicht zu merken?

Der „Google Effect“ oder digitale Amnesie bedeutet, dass wir glauben, jederzeit abrufbare Informationen uns nicht mehr merken zu müssen. Seit Wissen im Internet, in Apps, Suchmaschinen, Chats, digitalen Notizen oder auch via künstlicher Intelligenz scheinbar unbegrenzt abrufbar ist, entsteht leicht der Eindruck, wir müssten uns vieles nicht mehr näher aneignen oder im eigenen Alltag überprüfen.

Verfügbares Wissen ist noch lange kein verkörpertes Wissen. Nur weil etwas nachlesbar, speicherbar oder jederzeit auffindbar ist, heißt das nicht, dass wir es im entscheidenden Moment wirklich parat haben oder auf unsere persönliche Situation praktisch anwenden können. Gerade bei Themen wie Gesundheit, Gewohnheiten oder Veränderung zeigt sich das besonders deutlich. Allgemeine Empfehlungen sind schnell gefunden. Ob und warum wir selbst an einer bestimmten Stelle trotzdem nicht weiterkommen, lässt sich dadurch noch lange nicht erkennen.

Genau deshalb empfehle ich eine schriftliche Dokumentation der eigenen Umsetzung. Sie zeigt uns nicht nur, was theoretisch richtig wäre, sondern auch, was in unserem konkreten Alltag tatsächlich geschieht. Erst wenn wir schwarz auf weiß sehen, was wir tun, was wir notiert haben, was wir ausgelassen und was wir uns selbst erzählt haben, erkennen wir den Unterschied zwischen allgemeinem Wissen und unserer persönlichen Realität.

Umsetzung notieren

Ein sofort umsetzbarer Einstieg zur Dokumentation der eigenen Gewohnheiten ist ein sogenannter Habit Tracker. Das ist eine simple Tabelle, bei der Du ankreuzt, sobald Du eine neue Gewohnheit in die Praxis umgesetzt hast. 

Hier ein Beispiel: Du möchtest in den nächsten drei Wochen jeden Tag 10 Minuten im Freien spazieren gehen? Nimm Dir ein Blatt Papier und schreibe oben groß „Spazierengehen“ aufs Papier. Erstelle darunter eine Tabelle mit drei Spalten. Notiere Dir in der ersten Spalte von oben nach unten die Wochentage, in der zweiten Spalte das Datum und die dritte Spalte lässt Du frei. Befestige den Habit Tracker zu Hause an einer Stelle, die Du jederzeit sehen kannst.

Überlege Dir, wann Du täglich spazieren gehen willst und richte Dir auf Deinem Smartphone eine Erinnerung ein. Sobald Du vom ersten Spaziergang zurück bist, markiere beim heutigen Tag Deines Habit Trackers das dritte Tabellenkästchen: ein Kreuzchen machen, das Tabellenkästchen farbig ausmalen oder ein anderes Symbol zeichnen. So siehst Du auf einen Blick, dass Du Deinen heutigen Spaziergang umgesetzt hast. Das wiederholst Du am nächsten Tag, am übernächsten und so weiter.

Der große Vorteil des Habit-Trackers liegt darin, dass er einfach ist. Er zwingt uns dazu, nicht nur ungefähr zu glauben, wir hätten etwas „eh ganz gut“ gemacht, sondern ist gnadenlos. Habe ich heute etwas getan, oder nicht? Wie oft kam es diese Woche tatsächlich vor? Wo gab es Unterbrechungen? Und was sagt das über meinen Alltag aus?

Genau darin liegt sein Wert. Ein Habit Tracker dokumentiert keine Absichten, sondern Verhalten. Er hält nicht fest, was wir uns vorgenommen haben, sondern was wirklich passiert ist. Dadurch entsteht ein viel realistischeres Bild als durch bloßes Nachdenken oder gute Vorsätze. Falls Du Dir mehrere Dinge an- oder abgewöhnen möchtest, kannst Du die Tabelle nach Belieben erweitern. 

Aber Achtung: Übertreibe es nicht, sondern mache es Dir einfach und starte mit einer neuen Gewohnheit. Erst, wenn diese selbstverständlich geworden ist, nimm die Nächste in Angriff. Es gibt auch Habit Tracking Apps. Ich integriere meine Habit Tracking-Tabelle in mein Notizbuch, damit ich sie jederzeit mit dabeihabe.

Selbstbeobachtung und Selbstreflexion

Schriftliche Selbstreflexion geht einen Schritt weiter. Sie hilft uns zu verstehen, warum etwas geklappt hat oder nicht. Während der Habit Tracker sichtbar macht, dass wir etwa an drei Tagen keinen Sport gemacht, nicht geschrieben oder eine neue Gewohnheit ausgelassen haben, kann uns die Reflexion zeigen, was dahinterstand: Stress, Müdigkeit, Ablenkung, Widerstand, Überforderung, fehlende Priorität oder vielleicht auch eine unpassende Planung.

Gerade diese Kombination empfinde ich als wertvoll. Der Habit Tracker schützt uns davor, uns etwas vorzumachen, weil er unser Verhalten dokumentiert. Die schriftliche Reflexion hilft uns anschließend dabei, dieses Verhalten einzuordnen, Muster zu erkennen und klügere Entscheidungen für die Zukunft zu treffen. Oder einfacher gesagt: Der Habit Tracker zeigt uns, was passiert ist. Die schriftliche Reflexion hilft uns, zu verstehen, weshalb es passiert ist.

Genau dadurch wird Schreiben so interessant. Es dient nicht nur dazu, Gedanken festzuhalten oder Ideen zu sammeln. Es hilft uns auch, unser eigenes Verhalten genauer wahrzunehmen, statt uns auf bloße Vermutungen, Erinnerungen oder allgemeines Wissen zu verlassen.

Was wir mitnehmen können

Zurück zum eingangs erwähnten Kurs: Was auf den ersten Blick wie ein einfaches Problem wirkt, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als mehrstufiger Denkfehler. Zuerst habe ich überschätzt, wie gut ich ein Thema tatsächlich verstanden habe. Wenn ich mich dann doch näher damit beschäftige oder mir hinterher notiere, was ich darunter verstehe, erkenne ich, dass mein Wissen viel lückenhafter ist, als ich angenommen habe.

Doch Wissen alleine reicht nicht aus, schon gar nicht, wenn es allgemein verfügbar ist. Denn es sagt nichts darüber aus, ob ich es auch umsetze. Gerade deshalb sind ein Habit Tracker sowie die schriftliche Selbstreflexion so nützlich. Sie holen uns aus dem diffusen Gefühl von „ich weiß das eh“ zurück in die konkrete Realität unseres Alltags.

Wenn Du solche Denkfehler und blinden Flecken in Deinem eigenen Alltag besser erkennen möchtest, findest Du auf meinem YouTube-Kanal weitere Videos zu kognitiven Verzerrungen. Und wenn Du das Schreiben nicht nur alleine, sondern gemeinsam mit anderen als Werkzeug für mehr Klarheit nutzen möchtest, dann könnte auch mein Reflexionsclub für Dich interessant sein.

22.3.26

Neustart im Frühling

Nach dem heurigen, düster-nebligen Winter gab es in den letzten Wochen wieder Sonnenschein und steigende Temperaturen. Die Tage werden länger und die ersten Frühlingsblumen blühen. Viele Menschen haben das Gefühl, dass mit dem Frühling wieder Bewegung ins Leben kommt und vieles leichter wird.

Ähnlich wie zum Jahreswechsel entsteht in dieser Zeit bei manchen der Wunsch, etwas zu verändern. Das milde Wetter motiviert dazu, mehr ins Freie zu gehen, vielleicht wieder Sport zu treiben, ein Projekt zu beginnen oder eine alte Gewohnheit hinter sich zu lassen.

Doch auch diese Frühlingsmotivation verläuft häufig ähnlich wie die guten Vorsätze zu Neujahr wieder im Sand. Zu Beginn ist die Begeisterung hoch. Nach einiger Zeit kehrt der Alltag zurück und die guten Absichten geraten wieder in den Hintergrund.

Der Grund dafür liegt jedoch selten in mangelnder Disziplin. Häufig sind es blinde Flecken in unserem Denken, die wir kaum bemerken.

Unsere Aufmerksamkeit arbeitet nicht neutral

Unser Gehirn verteilt Aufmerksamkeit nicht gleichmäßig. Einige Dinge stechen sofort hervor, während andere kaum bemerkt werden.

Das zeigt sich besonders beim sogenannten Salience Bias oder bei der Aufmerksamkeitsverzerrung. Auffällige Ereignisse, Bilder oder Situationen ziehen unsere Aufmerksamkeit automatisch stärker an als dezente.

Genau deshalb erinnern wir uns oft besser an besonders markante Momente als an den eigentlichen Inhalt einer Situation. Wer dazu mehr wissen möchte, findet oben verlinkt ein eigenes Video auf meinem YouTube-Kanal zu diesem Denkfehler.

Wiederholung erzeugt Vertrautheit

Ein weiterer Mechanismus wirkt deutlich unauffälliger. Beim Mere-Exposure-Effekt genügt bereits der wiederholte Kontakt mit etwas, damit es uns vertrauter erscheint.

Allein das wiederholte Sehen, Hören oder Lesen bestimmter Inhalte kann dazu führen, dass wir sie zunehmend positiv bewerten. Dieser Effekt entsteht ganz automatisch und ohne bewusste Entscheidung.

Solche Wiederholungen prägen langfristig unsere Vorlieben und beeinflussen dadurch auch unsere Gewohnheiten.

Der unsichtbare Gegenspieler: das Unterlassen

Während auffällige Reize unsere Aufmerksamkeit anziehen, gibt es auch einen gegenteiligen Denkfehler. Beim sogenannten Omission Bias wirkt das Unterlassen weniger bedeutsam als aktives Tun. Was wir nicht tun, fühlt sich innerlich nicht wie eine Entscheidung an, obwohl es ebenfalls eine ist.

Genau deshalb übersehen wir oft, dass Veränderungen nicht nur dadurch entstehen, dass wir etwas Neues beginnen, sondern auch dadurch, dass wir etwas anderes bewusst weglassen oder beenden.

Warum unser Gehirn schnelle Reize bevorzugt

Zu diesen Mechanismen kommt noch eine weitere Besonderheit unseres Gehirns hinzu. Unser Belohnungssystem reagiert besonders stark auf kurzfristige Reize und schnelle Bestätigung. Solche Reize können in unserem Gehirn rasch Belohnungssignale auslösen und wirken deshalb besonders attraktiv.

Bereits vor der Erfindung der Schrift wurden am Lagerfeuer Sagen und Märchen erzählt, die vielen Menschen mit ihren Phantasiewelten eine Flucht aus ihrem harten Alltag ermöglichten.  

Aus der Antike wissen wir, dass die Politik die römische Wählerschaft mit kostenlosen Massenveranstaltungen zu ihren Gunsten beeinflussen wollte. Daher stammt der bekannte Ausspruch „panem et circenses“ (Brot und Zirkusspiele), um Menschen von der Realität abzulenken.

Dies setzte sich mit der Massenverbreitung von Zeitungen und Büchern fort, steigerte sich mit Kino, Radio und TV. Durch digitale Medien, Social Media und künstliche Intelligenz hat es sich jetzt noch einmal deutlich erhöht. Wenn wir all diese Medien kritisch betrachten, dienen sie oft nicht nur zum Informationsgewinn oder zur bereichernden Unterhaltung, sondern zur bloßen Ablenkung. 

Stundenlang durch Social Media zu scrollen, wochenlang jedes Detail von Prominenten zu verfolgen oder auch tagelang Serien zu schauen, an die man sich wenig später gar nicht mehr erinnern kann, sind vermutlich nicht die Aktivitäten, die unser Leben maßgeblich bereichern. Oder kannst Du Dir vorstellen, dass Du als betagte Person Deinen Urenkeln davon erzählen möchtest? Wahrscheinlich nicht.

Brain Candy

Dafür verwende ich den Begriff „Brain Candy“, angelehnt an die Idee von „Eye Candy“. Als „Eye Candy“ werden im englischsprachigen Raum Dinge bezeichnet, die visuell einladend wirken, aber wenig Tiefgang haben, wie seichte Unterhaltung, Design oder Websites. Für mich ist „Brain Candy“ etwas, das unsere Aufmerksamkeit schnell bindet, ohne dass es langfristig zu mehr Klarheit oder Erkenntnis beiträgt. 

Ähnlich wie viele Kinder automatisch zu bunten Bonbons greifen, wirken gewisse auffällige Inhalte magnetisch auf unser Gehirn. Süßigkeiten liefern zwar Energie, haben jedoch kaum Nährstoffe. Brain Candy bietet für unser Denken ebenso wenig kognitiven Nutzen, verbraucht aber trotzdem Aufmerksamkeit und mentale Energie. 

Auswirkungen auf das Gehirn

Neurowissenschaftliche Forschungen zeigen, dass sich unser Gehirn an das anpasst, wofür wir es nutzen. Dies nennt sich Neuroplastizität. Wer sein Gehirn gar nicht mehr fordert, sondern nur noch seichte Inhalte konsumiert, verliert schrittweise seine geistige Leistungsfähigkeit. 

Der bekannte Psychiater und Neurowissenschaftler Manfred Spitzer kritisiert in seinen Büchern den übermäßigen Konsum digitaler Medien. Spitzer weist darauf hin, dass dies für Kinder und Jugendliche, deren Gehirn erst in Entwicklung ist, problematische Auswirkungen haben kann. 

Wie mehrere Effekte zusammenwirken

Stell Dir vor, mehrere Musikerinnen und Musiker treffen sich und veranstalten gemeinsam ein Konzert. Übertragen auf unser Gehirn entsteht anstelle von Musik ein Zusammenspiel mehrerer psychologischer Effekte, die zumeist unbewusst ablaufen:

  • Auffällige Reize ziehen unsere Aufmerksamkeit an.
  • Wiederholte Kontakte erzeugen Vertrautheit.
  • Nichthandeln wirkt weniger bedeutsam als aktives Tun.
  • Kurzfristige Belohnungen durch „Brain Candy“ wirken attraktiver als langfristige Veränderungen.

Wenn alle diese Effekte zusammenwirken, ist es nicht verwunderlich, dass wir uns müde und ausgelaugt fühlen und uns die Kraft zur Verwirklichung unserer guten Vorsätze fehlt.

Eine andere Perspektive auf Veränderung

Wenn wir verstehen möchten, warum bestimmte Muster in unserem Leben immer wieder auftauchen, hilft es, diese Prozesse bewusst zu beobachten. Dabei kann Schreiben eine überraschend wirkungsvolle Rolle spielen.

Durch schriftliche Reflexion werden Gedanken, Bewertungen und innere Dialoge sichtbar. Was vorher nur im Hintergrund unseres Denkens stattgefunden hat, steht plötzlich schwarz auf weiß vor uns.

Auf diese Weise erkennen wir leichter, welche Denkgewohnheiten, Wiederholungen oder blinden Flecken unser Verhalten beeinflussen.

Einladung zur gemeinsamen Reflexion

Wer sich für solche Zusammenhänge interessiert, findet auf meinem YouTube-Kanal zahlreiche Videos zu typischen Denkfehlern und ihren Auswirkungen im Alltag.

Auch auf diesem Blog und im Schreibgeflüster-Podcast geht es regelmäßig um Selbstbeobachtung und Reflexion durch Schreiben.

Für Menschen, die diesen Prozess gemeinsam und in einem klaren Rahmen vertiefen möchten, gibt es außerdem den Reflexionsclub. Dort nehmen wir uns bewusst Zeit, um Gedanken zu ordnen, Muster zu erkennen und neue Perspektiven zu entwickeln.

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