24.5.26

Warum der Schein trügen kann

Was machen viele Menschen, wenn es zeitlich eng wird? Sie werden schneller, hektischer, ungeduldiger und greifen zur nächstbesten Lösung, weil sie unmittelbar verfügbar ist. Das fühlt sich für sie vernünftig an. Schließlich haben sie keine Zeit zu verlieren. 

Lothar Seiwerts berühmter Zeitmanagement-Klassiker trägt den Titel: „Wenn du es eilig hast, gehe langsam. Wenn du es noch eiliger hast, mache einen Umweg.“ Allein dieser Titel empfiehlt bereits das Gegenteil dessen, was viele Menschen im Alltag tun. Genau solche Fälle schauen wir uns heute näher an: Situationen, in denen etwas vernünftig aussieht, uns aber am Ende mehr kostet, als es bringt. Außerdem sehen wir uns an, wie Schreiben dazu beitragen kann, diese inneren Vorgänge transparent zu machen.

Die verführerische Abkürzung

Übrigens bin ich selbst exzellent darin, mich gelegentlich in meinem selbstproduzierten mentalen Irrgarten zu verlaufen. Wie die meisten Menschen liebe ich auch schlau wirkende Abkürzungen. Ich fühle mich währenddessen ungemein souverän und produktiv. Aber genau dort kann bereits das Problem lauern. Was uns im ersten Moment ein gutes Gefühl gibt, weil wir denken, besonders effizient zu sein, muss es auf den zweiten Blick noch lange nicht sein. 

Mit gewissen Aktivitäten sparen wir kurzfristig Zeit und bezahlen später mit Unklarheit, schlechteren Entscheidungen oder zusätzlicher Erschöpfung. Manchmal wählen wir die schnelle Information und bekommen dafür nur einen bereits vorgefilterten Ausschnitt. Manchmal wählen wir eine vermeintliche Entspannung und sind hinterher unruhiger oder unkonzentrierter als vorher.

Der Schein der Information

Lass uns gleich mit einem Beispiel starten: Vor einigen Tagen bin ich zur Fachmesse „all about automation“ nach Wels gefahren, die vermeintlich nichts mit meinen beruflichen Themen zu tun hat. Es ging dort um Automatisierungs-, Robotik- und Digitalisierungslösungen für die industrielle Produktion. Die meisten in meinem Umfeld haben mich gefragt: Was machst Du dort? Viele dachten sofort daran, wie viel Zeit mich das kostet: Anreise, Programm, Gespräche, Eindrücke, Nachbereitung. Wenn man rein oberflächlich rechnet, wäre es schneller, ein paar Beiträge auf Social Media zu lesen oder ein Video zu schauen. 

Nur ist das nicht dasselbe. Mich hat interessiert, wie KI in der Industrie eingesetzt wird und wo welche Roboter heute tatsächlich zum Einsatz kommen. Dort habe ich aus erster Hand erfahren, was in diesem Bereich gerade wirklich entsteht und welche Themen gerade viele Menschen bewegen. Ich höre, welche Fragen Fachleute stellen und worüber diskutiert wird. Bei mir entsteht dabei eine ganzheitliche Wahrnehmung der Entwicklungen und der Stimmung in einer Branche. Ob Vorträge oder informeller Austausch mit Fachleuten oder anderen Teilnehmenden, man erfährt dort aktuelle Trends aus der Praxis und es werden echte Herausforderungen und Lösungsmöglichkeiten besprochen. 

Natürlich könnten Bücher oder auch Social Media informativ sein. Für zeitlose Inhalte ist das auch in Ordnung. Bei neuen Entwicklungen oder Trends kann leicht ein falscher Eindruck entstehen, weil in Social Media ein künstlicher Hype produziert wird. Daher mache ich mir lieber bei einer Fachveranstaltung vor Ort selbst ein Bild. Falls Du jemals an einer Pressekonferenz teilgenommen hast, weißt Du vielleicht, was ich meine. Alle Journalistinnen und Journalisten hören oder sehen idente Informationen, jedes Medium berichtet jedoch anders darüber. 

Digitale Medien oder Social Media wirken deutlich schneller. Aber schnell ist nicht automatisch gut informiert. Denn solche Berichte sind bereits eine Interpretation einer Darstellung. Ich habe selten erlebt, dass in digitalen Medien oder Büchern so offen über branchenspezifische Praxiserfahrungen gesprochen wird wie bei Vorträgen, Konferenzen, Fachmessen oder Branchenveranstaltungen.  Wenn ich mit jemandem während einer Pause oder an einem Stand plaudere, ist dieser Inhalt nicht auf maximale Klicks hin optimiert.

Der Schein der Zeitknappheit

Genau an diesem Punkt wird der Schein interessant. Wir empfinden etwas als wirtschaftlicher, weil es weniger Zeit kostet. Dabei übersehen wir, was wir dafür erhalten oder nicht bekommen. 

Ähnlich beschreibt es Greg McKeown in seinem Buch „Essentialismus: Die konsequente Suche nach Weniger. Ein neuer Minimalismus erobert die Welt.“ Dort geht es nicht darum, möglichst zeitsparend viel zu erledigen, sondern das Wesentliche zu erkennen. Dieser Gedanke ist unangenehm, weil er unserem üblichen Reflex widerspricht. Wir glauben gerne, wir seien produktiv, wenn wir viel tun. Dabei wäre manchmal die ehrlichere Frage, ob wir überhaupt das Richtige tun.

In meinem letzten YouTube-Video ging es um einen weitverbreiteten Denkfehler. Die „Missachtung des Maßstabs (Scope Neglect/Scope Insensitivity)“ ist ein häufiger Denkfehler, bei dem wir Größenverhältnisse falsch einschätzen. Wir machen manche Dinge im Kopf größer, als sie eigentlich sein müssten, und andere kleiner, als sie tatsächlich sind. Gerade bei Zielen und neuen Gewohnheiten kann uns das ausbremsen: Etwas wirkt zu aufwendig, zu kompliziert oder zu groß, obwohl ein kleiner erster Schritt möglich wäre.

Wenn jemand sagt: „Dafür habe ich keine Zeit“, klingt das meistens plausibel. Wir alle haben Verpflichtungen, Termine, Nachrichten, Haushalt, Beruf/Business, Familie und Dinge, die erledigt werden müssen. Trotzdem lohnt sich manchmal ein zweiter Blick. Denn oft fehlt nicht nur Zeit. Oft verschwindet sie an Stellen, an denen wir gar nicht genau hinsehen.

Zehn Minuten hier, fünfzehn Minuten dort, schnell noch eine Nachricht beantworten, kurz Social Media öffnen, nebenbei ein Video ansehen. Einzeln betrachtet ist das kaum der Rede wert. In Summe sieht es anders aus, denn wir verschätzen uns bei Größenordnungen. Kleine Einheiten wirken unbedeutend, solange wir sie einzeln betrachten. Große Vorhaben wirken riesig, solange wir sie nur als Ganzes im Kopf haben.

Das gilt für Zeit. Es gilt aber auch für viele Tätigkeiten, die auf den ersten Blick sinnvoll aussehen.

Der Schein der Arbeit

Wenn wir ein Ziel erreichen wollen, sind Umsetzungsaktivitäten erforderlich. Ein Buch schreibt sich nicht von selbst. Ein Projekt wird nicht fertig, weil wir monatelang nur darüber nachdenken. Ein Körper wird nicht fitter, wenn wir wochenlang über Sportpläne grübeln. Auch dieser Blogbeitrag hat sich auch nicht von selbst hierher gezaubert, obwohl ich mir das mitunter wünsche. Trotzdem bürgen mehr Aktivitäten nicht automatisch für Qualität.

Das klingt banal, aber in der Praxis wird es oft ignoriert.  Gerade wenn uns ein Ziel wichtig ist, hängen wir gerne noch etwas dran und alle emsigen Leute werden möglicherweise jetzt mit dem Kopf nicken. Noch eine Stunde, noch eine Quelle, noch eine Recherche, noch eine Überarbeitung, noch ein Wasauchimmer.  

Bitte nicht falsch verstehen: In wichtigen und dringenden Fällen kann es erforderlich sein. Manchmal ist es nur unnötige, selbstproduzierte Quälerei. Wir arbeiten zwar weiter, aber nicht mehr mit dem gleichen Enthusiasmus. Wir lesen denselben Satz dreimal. Einfache Entscheidungen dauern doppelt so lange. Wir sitzen am Schreibtisch, stehen im Geschäft, in der Werkstatt, in der Küche, im Studio, im Labor oder wo auch immer wir unseren Arbeitsplatz haben, und innerlich ist nichts mehr klar.

Von außen sieht das nach Fleiß und Disziplin aus. Tatsächlich kann es bereits zu viel sein. Dann war diese zusätzliche Stunde nicht wirtschaftlich. Sie hat nicht mehr gebracht, sondern hat an unserer Substanz gezehrt und Geduld, Konzentration oder Schlaf gekostet. 

Der Schein der Freizeit

Ähnlich betrachten wir Erholung. Wir tun oft so, als wäre jegliche Freizeit automatisch erholsam, weil sie nicht Arbeit ist. Das stimmt so nicht. Es gibt Freizeitaktivitäten, nach denen wir unruhiger sind. Und es gibt Freizeitaktivitäten, nach denen wir uns fühlen, als habe jemand unser Gehirn durch einen Fleischwolf gedreht.

Ein Spaziergang in der Natur, ein ruhiger Abend mit einer Tasse Tee vor dem Kaminfeuer oder ein Gespräch mit einem lieben Menschen könnte für uns erholsam sein. Ein vollgepackter Nachmittag mit Terminen, Besuchen, Geräuschkulisse und ständiger Erreichbarkeit kann zwar in unserer Freizeit stattfinden, aber trotzdem keine Erholung sein.

Das Problem ist nicht die Aktivität selbst. Das Problem ist das Mascherl, das wir dieser Aktivität geben, auf Deutsch: das Etikett. Nur weil etwas nicht während der Arbeitszeit stattfindet, ist es noch lange keine Regeneration.

Der Schein digitaler Ablenkung

Auch Ablenkung wird oft zu pauschal bewertet. Ablenkung hat keinen besonders guten Ruf, aber manchmal benötigen wir sie. Wenn der Stress hoch ist, kann eine kurze Unterbrechung sinnvoll sein. Ein paar Minuten an der frischen Luft, kurz durchatmen und die Augen schließen, könnten Balsam für die Seele sein. Selbst die allseits verrufenen Katzenvideos können manchen Leuten tatsächlich helfen. Sie sind harmlos,  niedlich und holen uns für einen Moment aus dem inneren Druck heraus. Daran ist nichts Problematisches. 

Sieben Stunden Katzenvideos sind vermutlich etwas anderes. Dann geht es nicht mehr um kurzweilige Erinnerungen an vierbeinige Freunde, die kurz entlasten können. Vielleicht geht es in Wirklichkeit um Ausweichen, Einsamkeit, Überforderung oder um ein anderes Bedürfnis, das wir in dem Moment erfolgreich verdrängen. 

Social Media ist verführerisch, weil es viele Bedürfnisse gleichzeitig anspricht: Kontakt, Unterhaltung, Neuigkeit, Ablenkung, Inspiration, Bestätigung. Genau deshalb greifen viele Menschen so schnell danach. 

Über intensive Social-Media-Nutzung wird zunehmend kritisch gesprochen, insbesondere bei Kindern und Jugendlichen. So berichtet etwa CHIP über mögliche Zusammenhänge mit Stress, Schlafproblemen, Ängsten, Depressionen, Essstörungen und suchtartigem Verhalten.

Bei Erwachsenen sehe ich es differenzierter. Das Problem entsteht erst, wenn es sich zur Ersatzhandlung für alles andere entwickelt. Wenn ich Kontakt suche, wäre vielleicht ein Anruf, eine Nachricht, ein Treffen, ein Verein oder ein Ehrenamt passender. Wenn ich Abwechslung suche, könnten Musik, ein Podcast, ein Buch, ein Film, ein Spaziergang oder eine Veranstaltung in der Umgebung besser passen. 

Aus der Content Creator-Szene weiß ich, dass sie sich häufig durch andere Social Media-Beiträge inspirieren lassen. Wenn ich Ideen für meine Inhalte suche, lasse ich mich durch meine eigenen Notizen, Gespräche mit interessanten Leuten, Vorträge, Ausstellungen oder Büchern auf neue Einfälle bringen.  

Der Schein der Planung

Sogar Planung kann sich in eine ungesunde Richtung entwickeln, obwohl sie grundsätzlich vernünftig aussieht. Wer ein Ziel erreichen möchte, benötigt Struktur. Ohne Planung bleiben viele Vorhaben nur vage. Irgendwann brauchen wir konkrete Maßnahmen, Zeiträume, Prioritäten und Entscheidungen.

Planung kann auch zur eleganten Warteschleife werden. Dann recherchieren wir die neuesten Methoden, vergleichen wochenlang Tools, erstellen endlose Listen und optimieren etwa Zeitpläne und Reiseabläufe für eine Urlaubsplanung, die jeden Businessplan wie einen chaotischen Schmierzettel aussehen lässt. Währenddessen fühlen wir uns produktiv, obwohl wir noch keinen einzigen Schritt umgesetzt haben. Das fühlt sich nützlich an, wir wirken schlau, denn wir sind ja beschäftigt. Planen sieht besser aus als bloßes Aufschieben. Manchmal ist es das auch, aber nicht immer.

Die Dosis macht das Gift

Was erkennen wir aus diesen Beispielen? Manche Aktivitäten wirken leicht und harmlos. In Wirklichkeit beschäftigen, betäuben, unterhalten oder überbrücken sie etwas. Das kann in kleinen Mengen sinnvoll sein. Nicht jeder Moment in unserem Leben muss tiefgründig, revolutionär, glänzend oder bahnbrechend sein. Dies ist auch bei mir nicht immer der Fall. Manchmal ist ein Song, ein Video, ein Film oder ein bisschen Ablenkung genau richtig. 

Den Schein durchschauen 

Wie können wir herausfinden, wann Grenzen überschritten werden? Schreiben kann uns dabei unterstützen, weil es uns sofort Klarheit bringt. Indem ich aufschreibe, was mich bewegt, was ich denke oder wie ich mich fühle, entstehen bei mir regelmäßig Aha-Erlebnisse. Vielleicht bin ich gar nicht faul, sondern müde. Vielleicht bin ich nicht undiszipliniert, sondern überreizt. Eventuell benötige ich nicht noch mehr Information, sondern eine Entscheidung. Vielleicht wäre jetzt Kontakt mit lieben Menschen stimmiger. Vielleicht brauche ich nicht noch mehr Arbeit, sondern Ruhe oder Schlaf.

Viele unterschätzen die Wirkung des Schreibens, solange wir es nicht ausprobiert haben. Wenn etwas diffus im Kopf herumgeistert, wird es nicht durch noch mehr Grübeln klarer. Nehmen wir hingegen Papier und Stift zur Hand und notieren, was uns gerade in den Sinn kommt, sehen wir es schwarz auf weiß. Unsere Gedanken und Gefühle werden konkreter. 

Hier sind ein paar einfache Fragen, die Du sofort schriftlich beantworten könntest:

  • Wie geht es mir gerade?
  • Was ist mir im Moment wichtig?
  • Was brauche ich jetzt?

An den Antworten erkennen wir, was uns bewegt. Schreiben bringt uns wieder in Kontakt mit uns selbst. Es macht unsere Gedanken und Empfindungen sichtbar.

Wenn Du gemeinsam mit anderen über solche Fragen reflektieren möchtest, könnte mein Reflexionsclub für Dich interessant sein. Dort geht es genau darum: genauer hinzusehen, eigene Muster zu erkennen und herauszufinden, was im eigenen Leben tatsächlich hilfreich ist.

26.4.26

Wie echtes Selbstvertrauen entsteht

Sobald jemand sichtbar etwas umsetzt, tauchen mitunter Menschen auf, die erklären, dass sie etwas Ähnliches ebenfalls schon lange vorhatten. Wer Bücher schreibt, Bilder malt, Musik macht, regelmäßig Sport treibt, Vorträge hält, ein Unternehmen aufbaut oder auf andere Weise etwas erschafft, kennt vielleicht ähnliche Kommentare von Dritten.

Falls Du mir schon eine Weile folgst, wird Dir eventuell meine Version bereits geläufig sein, da ich sie gerne zitiere. Sobald ich sage, was ich mache, höre ich regelmäßig: „Ich wollte auch seit Längerem ein Buch schreiben.“ Allerdings folgt auf meine Frage, ob die Person damit schon angefangen habe, zumeist die Antwort, man habe bislang keine Gelegenheit gehabt oder keine Zeit gefunden. 

Das ist natürlich eine gängige Ausrede. Wenn es wirklich so locker wäre, gäbe es zumindest einen Anfang, einen Entwurf, ein Konzept oder einen anderen sichtbaren Hinweis darauf. Der bloßen Vorstellung wären erste Schritte in die Umsetzung gefolgt.

Zwischen „Das wollte ich auch schon lange machen“ und „Ich habe es tatsächlich gemacht“ liegt mehr als ein bisschen Zeit oder die passende Gelegenheit. Genau diesen Prozess, der von außen oft unterschätzt wird, werden wir uns im heutigen Blogbeitrag näher anschauen.

Als Grundlage dieses Prozesses eignet sich die 4-C-Formel (The 4 C's Formula: Your building blocks of growth: commitment, courage, capability, and confidence) von Dan Sullivan, die ich Dir gerne nachfolgend vorstellen möchte. Dan Sullivan ist ein bekannter Autor und Business Coach, der die 4-C-Formel entwickelt hat. Sullivan beschreibt im dazugehörigen Buch, wie Menschen Entwicklungsschritte zu einem echten Durchbruch machen können.

Die vier Cs stehen für:

  1. Commitment – Selbstverpflichtung
  2. Courage – Mut
  3. Capability – Können
  4. Confidence – Selbstvertrauen

Der entscheidende Punkt dabei ist die Reihenfolge. Viele Menschen glauben, sie müssten zuerst Selbstvertrauen haben, bevor sie etwas in Angriff nehmen. Sullivan schreibt, dass Selbstvertrauen erst am Ende als Folge dieses Prozesses entsteht. Diese Erfahrung habe ich auch gemacht, und wir schauen uns gleich die einzelnen Schritte an einem Beispiel an.

1. Commitment: Die Entscheidung, es wirklich zu tun

Stell Dir vor, Du möchtest ein Buch schreiben. Commitment bedeutet nicht, dass Du diese Idee nur sympathisch findest. Es bedeutet auch nicht, dass Du eines Tages vielleicht einmal ein Buch schreiben möchtest. Wie zuvor erläutert, kosten solche Gedanken wenig Aufwand und bleiben oft angenehm unverbindlich.

Commitment beginnt dort, wo aus einer vagen Vorstellung Verbindlichkeit entsteht. Sullivan beschreibt es so: Commitment entsteht, wenn Du es Dir selbst verkaufst. Du entscheidest Dich aktiv, indem Du zu Dir sagst: „Ich schreibe dieses Buch.“ Damit verändert sich sofort etwas. Plötzlich reicht es nicht mehr, über das Buch zu sprechen. Jetzt braucht es klare Prioritäten, Zeit zum Brainstormen und erste Entscheidungen darüber, was überhaupt in dieses Buch hinein soll, damit Deine ersten Seiten entstehen können.

Solange Dein Buch nur als Idee im Kopf existiert, kann es leicht und stimmig wirken. Sobald Du Dich jedoch ernsthaft festlegst, es tatsächlich zu schreiben, wird sichtbar, dass die bisherige Idee noch kein fertiges Werk ist.

2. Courage: Die unangenehme Phase nach der Entscheidung

Hier im Blog klingt Mut fast heroisch und deutlich schöner, als er sich in der Praxis zumeist anfühlt. Mut wird genau dann notwendig, wenn Du Dich bereits entschieden hast, aber noch nicht weißt, ob und wie Du es tatsächlich schaffen sollst.

Beim Schreiben Deines Buchs kann es bedeuten, dass Du Dich zwar dazu entschieden und damit begonnen hast, aber dann geht es los: Die Seiten schreiben sich nicht von selbst, weil es vielleicht bei der Struktur hakt, möglicherweise der Text phasenweise zu holprig wirkt, das Thema eventuell komplizierter als gedacht ist. Vielleicht tauchen darüber hinaus auch noch Zweifel auf, ob die eigene Idee überhaupt beim Publikum ankommen wird.

Das ist der Punkt, an dem viele Menschen gerne wieder in die Distanz zurückgehen würden. Dort war alles einfacher. In der Vorstellung war das Buch noch elegant, schlüssig und möglich. In der Umsetzung zeigt es seine Widerstände. Diese grausige Phase sieht man von außen nicht.

Niemand sieht aber die gelöschten Absätze, die Pausen, die Zweifel, die Überarbeitungen und jene Tage, an denen jemand trotzdem weitermacht, obwohl es sich gerade nicht leicht anfühlt. 

Deshalb ist der Satz „Das wollte ich auch schon lange machen“ für mich oft so merkwürdig. Denn die innere Unruhe, die Zweifel und die Gedanken, alles am liebsten hinzuschmeißen, die in dieser Mutphase immer wieder auftauchen, auszuhalten und es trotzdem durchzuziehen, ist ein ähnliches Gefühl wie das Dranbleiben beim Sport. Man hat zwar keinen Bock drauf, aber man weiß, es gehört dazu und weiß, man muss nur lange genug durchhalten, bis endlich die dritte Phase kommt.

3. Capability: Können entsteht durch Umsetzung

Dan Sullivan schreibt, dass viele Menschen es häufig verwechseln. Sie glauben, sie müssten zuerst Fähigkeiten entwickeln, bevor sie mit der Umsetzung beginnen. Natürlich braucht es gewisse Grundlagen. Das gilt auch für ein Buch, das selten jemand völlig aus dem Nichts schreibt. 

Allerdings entstehen die eigentlichen Fähigkeiten während des Schreibens. Das ist auch einer der Gründe, wieso es diesen Blog gibt. Einerseits profitierst Du davon und andererseits ist es für mich eine gute Übung. Die bloße Vorstellung oder jahrelang davon sprechen reicht jedenfalls nicht. 

Während des Schreibens ist es wichtig, nicht sofort die Geduld zu verlieren, insbesondere beim ersten Entwurf. Aus meinen Podcast-Interviews weiß ich, dass viele Autorinnen und Autoren zu Beginn ungeduldig mit sich waren. Einige wollten bereits beim ersten Entwurf damit beginnen, sich zu korrigieren. 

Solche Gedanken habe ich nicht. Ich weiß, dass in der Malerei erste Skizzen üblich sind. Beim Schreiben handhabe ich es ebenso. Daher halte ich mich nicht ewig damit auf, eine vermeintlich perfekte Formulierung zu finden, sondern schreibe einfach drauflos. Ich weiß, dass ich den Text zu einem späteren Zeitpunkt beliebig oft überarbeiten kann, wenn ich es möchte. 

Ähnliche Erfahrungen habe ich mit Sport gemacht, wo es auch darum geht, einfach mal zu beginnen. Du kannst diese Methode 1:1 auf jede weitere Tätigkeit übertragen, bei der Können durch wiederholte Praxis entsteht.

4. Confidence: Wenn am Ende Selbstvertrauen entsteht

Je mehr Erfahrung Du in der praktischen Umsetzung sammelst, desto besser wird es. Du hast Entscheidungen getroffen, umgesetzt und siehst Deine Ergebnisse und merkst, dass es leichter und leichter geht, weil Du neue Fähigkeiten entwickelt hast.  Nach der unguten Phase der Unsicherheit entsteht schrittweise Zuversicht. 

Und dieser Stolz, den Du spürst, ist die Belohnung dafür, dass Du die unangenehme Phase der Unsicherheit ausgehalten, trotz des Selbstzweifels weitergemacht und in Können verwandelt hast. Ich liebe diese ruhige Zufriedenheit. Dieses Gefühl kann Dir niemand mehr nehmen. Es ist das Ergebnis Deiner persönlichen Erfahrung.

Jede Person, die etwas in die Realität umgesetzt hat, ist hinterher nicht nur erfahrener und hat mehr Können und Selbstvertrauen entwickelt als all die Kommentatoren, die vorschnell sagen: „Das wollte ich auch schon lange machen.“

Was wir daraus mitnehmen können

Möchtest Du über Deine Ziele nur nachdenken oder den Weg auch tatsächlich gehen? Die 4-C-Formel ist ein Buch von Dan Sullivan, das bei der Umsetzung zwischen Wunsch und Ergebnis eine wertvolle Hilfe sein kann. 

Wenn Du gemeinsam mit anderen am Weg in die Umsetzung Deiner Ziele reflektieren möchtest, könnte mein Reflexionsclub für Dich interessant sein.

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