26.4.26

Wie echtes Selbstvertrauen entsteht

Sobald jemand sichtbar etwas umsetzt, tauchen mitunter Menschen auf, die erklären, dass sie etwas Ähnliches ebenfalls schon lange vorhatten. Wer Bücher schreibt, Bilder malt, Musik macht, regelmäßig Sport treibt, Vorträge hält, ein Unternehmen aufbaut oder auf andere Weise etwas erschafft, kennt vielleicht ähnliche Kommentare von Dritten.

Falls Du mir schon eine Weile folgst, wird Dir eventuell meine Version bereits geläufig sein, da ich sie gerne zitiere. Sobald ich sage, was ich mache, höre ich regelmäßig: „Ich wollte auch seit Längerem ein Buch schreiben.“ Allerdings folgt auf meine Frage, ob die Person damit schon angefangen habe, zumeist die Antwort, man habe bislang keine Gelegenheit gehabt oder keine Zeit gefunden. 

Das ist natürlich eine gängige Ausrede. Wenn es wirklich so locker wäre, gäbe es zumindest einen Anfang, einen Entwurf, ein Konzept oder einen anderen sichtbaren Hinweis darauf. Der bloßen Vorstellung wären erste Schritte in die Umsetzung gefolgt.

Zwischen „Das wollte ich auch schon lange machen“ und „Ich habe es tatsächlich gemacht“ liegt mehr als ein bisschen Zeit oder die passende Gelegenheit. Genau diesen Prozess, der von außen oft unterschätzt wird, werden wir uns im heutigen Blogbeitrag näher anschauen.

Als Grundlage dieses Prozesses eignet sich die 4-C-Formel (The 4 C's Formula: Your building blocks of growth: commitment, courage, capability, and confidence) von Dan Sullivan, die ich Dir gerne nachfolgend vorstellen möchte. Dan Sullivan ist ein bekannter Autor und Business Coach, der die 4-C-Formel entwickelt hat. Sullivan beschreibt im dazugehörigen Buch, wie Menschen Entwicklungsschritte zu einem echten Durchbruch machen können.

Die vier Cs stehen für:

  1. Commitment – Selbstverpflichtung
  2. Courage – Mut
  3. Capability – Können
  4. Confidence – Selbstvertrauen

Der entscheidende Punkt dabei ist die Reihenfolge. Viele Menschen glauben, sie müssten zuerst Selbstvertrauen haben, bevor sie etwas in Angriff nehmen. Sullivan schreibt, dass Selbstvertrauen erst am Ende als Folge dieses Prozesses entsteht. Diese Erfahrung habe ich auch gemacht, und wir schauen uns gleich die einzelnen Schritte an einem Beispiel an.

1. Commitment: Die Entscheidung, es wirklich zu tun

Stell Dir vor, Du möchtest ein Buch schreiben. Commitment bedeutet nicht, dass Du diese Idee nur sympathisch findest. Es bedeutet auch nicht, dass Du eines Tages vielleicht einmal ein Buch schreiben möchtest. Wie zuvor erläutert, kosten solche Gedanken wenig Aufwand und bleiben oft angenehm unverbindlich.

Commitment beginnt dort, wo aus einer vagen Vorstellung Verbindlichkeit entsteht. Sullivan beschreibt es so: Commitment entsteht, wenn Du es Dir selbst verkaufst. Du entscheidest Dich aktiv, indem Du zu Dir sagst: „Ich schreibe dieses Buch.“ Damit verändert sich sofort etwas. Plötzlich reicht es nicht mehr, über das Buch zu sprechen. Jetzt braucht es klare Prioritäten, Zeit zum Brainstormen und erste Entscheidungen darüber, was überhaupt in dieses Buch hinein soll, damit Deine ersten Seiten entstehen können.

Solange Dein Buch nur als Idee im Kopf existiert, kann es leicht und stimmig wirken. Sobald Du Dich jedoch ernsthaft festlegst, es tatsächlich zu schreiben, wird sichtbar, dass die bisherige Idee noch kein fertiges Werk ist.

2. Courage: Die unangenehme Phase nach der Entscheidung

Hier im Blog klingt Mut fast heroisch und deutlich schöner, als er sich in der Praxis zumeist anfühlt. Mut wird genau dann notwendig, wenn Du Dich bereits entschieden hast, aber noch nicht weißt, ob und wie Du es tatsächlich schaffen sollst.

Beim Schreiben Deines Buchs kann es bedeuten, dass Du Dich zwar dazu entschieden und damit begonnen hast, aber dann geht es los: Die Seiten schreiben sich nicht von selbst, weil es vielleicht bei der Struktur hakt, möglicherweise der Text phasenweise zu holprig wirkt, das Thema eventuell komplizierter als gedacht ist. Vielleicht tauchen darüber hinaus auch noch Zweifel auf, ob die eigene Idee überhaupt beim Publikum ankommen wird.

Das ist der Punkt, an dem viele Menschen gerne wieder in die Distanz zurückgehen würden. Dort war alles einfacher. In der Vorstellung war das Buch noch elegant, schlüssig und möglich. In der Umsetzung zeigt es seine Widerstände. Diese grausige Phase sieht man von außen nicht.

Niemand sieht aber die gelöschten Absätze, die Pausen, die Zweifel, die Überarbeitungen und jene Tage, an denen jemand trotzdem weitermacht, obwohl es sich gerade nicht leicht anfühlt. 

Deshalb ist der Satz „Das wollte ich auch schon lange machen“ für mich oft so merkwürdig. Denn die innere Unruhe, die Zweifel und die Gedanken, alles am liebsten hinzuschmeißen, die in dieser Mutphase immer wieder auftauchen, auszuhalten und es trotzdem durchzuziehen, ist ein ähnliches Gefühl wie das Dranbleiben beim Sport. Man hat zwar keinen Bock drauf, aber man weiß, es gehört dazu und weiß, man muss nur lange genug durchhalten, bis endlich die dritte Phase kommt.

3. Capability: Können entsteht durch Umsetzung

Dan Sullivan schreibt, dass viele Menschen es häufig verwechseln. Sie glauben, sie müssten zuerst Fähigkeiten entwickeln, bevor sie mit der Umsetzung beginnen. Natürlich braucht es gewisse Grundlagen. Das gilt auch für ein Buch, das selten jemand völlig aus dem Nichts schreibt. 

Allerdings entstehen die eigentlichen Fähigkeiten während des Schreibens. Das ist auch einer der Gründe, wieso es diesen Blog gibt. Einerseits profitierst Du davon und andererseits ist es für mich eine gute Übung. Die bloße Vorstellung oder jahrelang davon sprechen reicht jedenfalls nicht. 

Während des Schreibens ist es wichtig, nicht sofort die Geduld zu verlieren, insbesondere beim ersten Entwurf. Aus meinen Podcast-Interviews weiß ich, dass viele Autorinnen und Autoren zu Beginn ungeduldig mit sich waren. Einige wollten bereits beim ersten Entwurf damit beginnen, sich zu korrigieren. 

Solche Gedanken habe ich nicht. Ich weiß, dass in der Malerei erste Skizzen üblich sind. Beim Schreiben handhabe ich es ebenso. Daher halte ich mich nicht ewig damit auf, eine vermeintlich perfekte Formulierung zu finden, sondern schreibe einfach drauflos. Ich weiß, dass ich den Text zu einem späteren Zeitpunkt beliebig oft überarbeiten kann, wenn ich es möchte. 

Ähnliche Erfahrungen habe ich mit Sport gemacht, wo es auch darum geht, einfach mal zu beginnen. Du kannst diese Methode 1:1 auf jede weitere Tätigkeit übertragen, bei der Können durch wiederholte Praxis entsteht.

4. Confidence: Wenn am Ende Selbstvertrauen entsteht

Je mehr Erfahrung Du in der praktischen Umsetzung sammelst, desto besser wird es. Du hast Entscheidungen getroffen, umgesetzt und siehst Deine Ergebnisse und merkst, dass es leichter und leichter geht, weil Du neue Fähigkeiten entwickelt hast.  Nach der unguten Phase der Unsicherheit entsteht schrittweise Zuversicht. 

Und dieser Stolz, den Du spürst, ist die Belohnung dafür, dass Du die unangenehme Phase der Unsicherheit ausgehalten, trotz des Selbstzweifels weitergemacht und in Können verwandelt hast. Ich liebe diese ruhige Zufriedenheit. Dieses Gefühl kann Dir niemand mehr nehmen. Es ist das Ergebnis Deiner persönlichen Erfahrung.

Jede Person, die etwas in die Realität umgesetzt hat, ist hinterher nicht nur erfahrener und hat mehr Können und Selbstvertrauen entwickelt als all die Kommentatoren, die vorschnell sagen: „Das wollte ich auch schon lange machen.“

Was wir daraus mitnehmen können

Möchtest Du über Deine Ziele nur nachdenken oder den Weg auch tatsächlich gehen? Die 4-C-Formel ist ein Buch von Dan Sullivan, das bei der Umsetzung zwischen Wunsch und Ergebnis eine wertvolle Hilfe sein kann. 

Wenn Du gemeinsam mit anderen am Weg in die Umsetzung Deiner Ziele reflektieren möchtest, könnte mein Reflexionsclub für Dich interessant sein.

12.4.26

Die Lücke zwischen Wissen und Umsetzung

Im März 2024 hat mir im Zuge eines Podcast-Vorgesprächs einer meiner Gäste ein Buch empfohlen, von dem er begeistert war. Ich habe das registriert und mir sogar eine Leseprobe des Buchs heruntergeladen. Einige Monate später wurde ich auf einen Online-Kurs zum gleichen Thema aufmerksam. Beides habe ich innerlich auf später verschoben. Kürzlich entschied ich mich, den Kurs endlich anzusehen. Dort wurde ausgerechnet jene Autorin zitiert, deren Buch mir seinerzeit empfohlen wurde. 

Das Aha-Erlebnis

Entgegen meinen damaligen Erwartungen war der Kurs deutlich gehaltvoller. In dem Moment wurde mir mein eigener blinder Fleck bewusst: Ich hatte die Bedeutung des Themas völlig unterschätzt. Hinterher fiel mir ein, dass ich im Laufe der letzten Monate immer wieder in unterschiedlichen Zusammenhängen mit dem Thema in Berührung kam. Genau das machte die Sache für mich so aufschlussreich. Rückblickend wurde mir klar, dass ich das Thema in die Schublade „im Großen und Ganzen bekannt“ einsortiert habe. 

Ich musste mir eingestehen, dass ich mir in Wirklichkeit nur einen flüchtigen Überblick verschafft hatte. Zum Glück ist es weder beruflich noch privat ein zentrales Thema für mich. Man stelle sich jedoch vor, jemand hätte näher danach gefragt. Ich wäre vermutlich schnell in Erklärungsnot geraten.

Verstehen ist nicht Erklären

Dieses Phänomen nennt man auch die Illusion der Erklärungstiefe oder auf Englisch Illusion of Explanatory Depth. Gemeint ist damit ein Denkfehler, bei dem wir glauben, etwas ausreichend verstanden zu haben, solange wir nicht dazu aufgefordert sind, es genauer zu erklären. Solange ein Thema nur als allgemeines Gefühl von Klarheit in unserem Kopf vorhanden ist, wirkt es oft stimmiger und vollständiger, als es tatsächlich ist.

Erst in dem Moment, in dem wir anderen Menschen erklären sollen, worum es konkret geht, worauf man achten muss oder warum etwas relevant ist, zeigt sich, wie gut unser Verständnis wirklich ist. Plötzlich reichen Schlagworte und grobe Eindrücke nicht mehr aus. Genau das macht diesen Denkfehler so tückisch. Denn wir bemerken ihn meistens nicht in dem Moment, in dem sie passieren, sondern erst dann, wenn wir unser vermeintliches Wissen in Worte fassen sollen.

Wie gut verstehen wir etwas wirklich?

Vielleicht kennst Du das auch aus anderen Bereichen. Man hat einen Begriff schon oft gehört, einen Zusammenhang grob verstanden oder ein Thema immer wieder gestreift und hält es deshalb innerlich für bekannt. Doch Bekanntheit ist nicht dasselbe wie Verständnis. Etwas kann uns vertraut vorkommen und trotzdem nur oberflächlich erfasst worden sein.

Solche Erkenntnismomente fühlen sich für mich trotzdem unangenehm an, weil ich darüber entsetzt bin, welche Streiche mir mein Gehirn (wieder einmal) gespielt hat. Wenig später beruhige ich mich wieder mit dem Gedanken, dass kognitive Verzerrungen Abkürzungen unseres Gehirns sind, daher unbewusst ablaufen und es allen anderen Menschen ebenso geht wie mir.

Einfacher Erklärungs-Check

Wenn Du überprüfen möchtest, wie sattelfest Du tatsächlich in einem Thema bist, schreibe die Erklärung auf. So merkst Du schnell, ob Du etwas wirklich verstanden hast. Was in Deinem Kopf noch stimmig und schlüssig wirkt, zeigt schwarz auf weiß rasch seine Lücken. Das ist einer der praktischen Vorteile des Schreibens. Schreiben bewahrt uns mitunter davor, vorschnell zu urteilen oder in Gesprächen und anderen Situationen ein unachtsames Hoppala zu begehen. Wobei wir darauf achten müssen, dass wir nicht in eine weitere Fallgrube plumpsen. Denn zwischen einem logisch nachvollziehbaren Gedanken und seiner konsequenten Umsetzung im Alltag liegt eine weitere Lücke.

Fit und schlank werden

Damit das nicht zu theoretisch bleibt, folgt gleich ein praktisches Beispiel: Falls Du meine Inhalte ein wenig kennst, weißt Du eventuell, dass ich früher 20 kg schwerer und deutlich unsportlicher war als heute. 2009 habe ich zwar theoretisch gewusst, dass ich mit anderer Ernährung und mit mehr Bewegung wieder fitter und schlanker werde. Allerding wusste ich weder im Detail, was ich tun muss, noch wie ich das konsequent im Alltag praktisch umsetzen soll. Heute, fünfzehn Jahre später, bin ich deutlich schlauer als damals.

Allerdings dachte ich damals, dass ich ohnehin bestens Bescheid weiß: Mit besserer Ernährung und mehr Bewegung werde ich wieder fitter und schlanker. Es ist auch kein geheimes oder schwer zugängliches Wissen. Doch genau darin lauerte der nächste Denkfehler: Allgemein verfügbares Wissen wirkt schnell so, als wäre damit alles klar. 

Dabei übersehen wir einen weiteren Aspekt. Wir verlassen uns auf allgemein bekanntes und verfügbares Wissen, obwohl die eigentliche Herausforderung die individuelle Anwendung ist. Denn was zu Beginn logisch klingt, ist noch lange nicht automatisch in den eigenen Alltag übersetzt. In der Praxis erleben wir, dass es deutlich komplizierter ist. Es ersetzt auch nicht die ehrliche Auseinandersetzung mit der Frage, was wir wann und wie tatsächlich tun, was wir regelmäßig unterlassen und an welchen Stellen wir uns selbst immer wieder etwas vormachen. 

Was wir leicht finden, brauchen wir uns nicht zu merken?

Der „Google Effect“ oder digitale Amnesie bedeutet, dass wir glauben, jederzeit abrufbare Informationen uns nicht mehr merken zu müssen. Seit Wissen im Internet, in Apps, Suchmaschinen, Chats, digitalen Notizen oder auch via künstlicher Intelligenz scheinbar unbegrenzt abrufbar ist, entsteht leicht der Eindruck, wir müssten uns vieles nicht mehr näher aneignen oder im eigenen Alltag überprüfen.

Verfügbares Wissen ist noch lange kein verkörpertes Wissen. Nur weil etwas nachlesbar, speicherbar oder jederzeit auffindbar ist, heißt das nicht, dass wir es im entscheidenden Moment wirklich parat haben oder auf unsere persönliche Situation praktisch anwenden können. Gerade bei Themen wie Gesundheit, Gewohnheiten oder Veränderung zeigt sich das besonders deutlich. Allgemeine Empfehlungen sind schnell gefunden. Ob und warum wir selbst an einer bestimmten Stelle trotzdem nicht weiterkommen, lässt sich dadurch noch lange nicht erkennen.

Genau deshalb empfehle ich eine schriftliche Dokumentation der eigenen Umsetzung. Sie zeigt uns nicht nur, was theoretisch richtig wäre, sondern auch, was in unserem konkreten Alltag tatsächlich geschieht. Erst wenn wir schwarz auf weiß sehen, was wir tun, was wir notiert haben, was wir ausgelassen und was wir uns selbst erzählt haben, erkennen wir den Unterschied zwischen allgemeinem Wissen und unserer persönlichen Realität.

Umsetzung notieren

Ein sofort umsetzbarer Einstieg zur Dokumentation der eigenen Gewohnheiten ist ein sogenannter Habit Tracker. Das ist eine simple Tabelle, bei der Du ankreuzt, sobald Du eine neue Gewohnheit in die Praxis umgesetzt hast. 

Hier ein Beispiel: Du möchtest in den nächsten drei Wochen jeden Tag 10 Minuten im Freien spazieren gehen? Nimm Dir ein Blatt Papier und schreibe oben groß „Spazierengehen“ aufs Papier. Erstelle darunter eine Tabelle mit drei Spalten. Notiere Dir in der ersten Spalte von oben nach unten die Wochentage, in der zweiten Spalte das Datum und die dritte Spalte lässt Du frei. Befestige den Habit Tracker zu Hause an einer Stelle, die Du jederzeit sehen kannst.

Überlege Dir, wann Du täglich spazieren gehen willst und richte Dir auf Deinem Smartphone eine Erinnerung ein. Sobald Du vom ersten Spaziergang zurück bist, markiere beim heutigen Tag Deines Habit Trackers das dritte Tabellenkästchen: ein Kreuzchen machen, das Tabellenkästchen farbig ausmalen oder ein anderes Symbol zeichnen. So siehst Du auf einen Blick, dass Du Deinen heutigen Spaziergang umgesetzt hast. Das wiederholst Du am nächsten Tag, am übernächsten und so weiter.

Der große Vorteil des Habit-Trackers liegt darin, dass er einfach ist. Er zwingt uns dazu, nicht nur ungefähr zu glauben, wir hätten etwas „eh ganz gut“ gemacht, sondern ist gnadenlos. Habe ich heute etwas getan, oder nicht? Wie oft kam es diese Woche tatsächlich vor? Wo gab es Unterbrechungen? Und was sagt das über meinen Alltag aus?

Genau darin liegt sein Wert. Ein Habit Tracker dokumentiert keine Absichten, sondern Verhalten. Er hält nicht fest, was wir uns vorgenommen haben, sondern was wirklich passiert ist. Dadurch entsteht ein viel realistischeres Bild als durch bloßes Nachdenken oder gute Vorsätze. Falls Du Dir mehrere Dinge an- oder abgewöhnen möchtest, kannst Du die Tabelle nach Belieben erweitern. 

Aber Achtung: Übertreibe es nicht, sondern mache es Dir einfach und starte mit einer neuen Gewohnheit. Erst, wenn diese selbstverständlich geworden ist, nimm die Nächste in Angriff. Es gibt auch Habit Tracking Apps. Ich integriere meine Habit Tracking-Tabelle in mein Notizbuch, damit ich sie jederzeit mit dabeihabe.

Selbstbeobachtung und Selbstreflexion

Schriftliche Selbstreflexion geht einen Schritt weiter. Sie hilft uns zu verstehen, warum etwas geklappt hat oder nicht. Während der Habit Tracker sichtbar macht, dass wir etwa an drei Tagen keinen Sport gemacht, nicht geschrieben oder eine neue Gewohnheit ausgelassen haben, kann uns die Reflexion zeigen, was dahinterstand: Stress, Müdigkeit, Ablenkung, Widerstand, Überforderung, fehlende Priorität oder vielleicht auch eine unpassende Planung.

Gerade diese Kombination empfinde ich als wertvoll. Der Habit Tracker schützt uns davor, uns etwas vorzumachen, weil er unser Verhalten dokumentiert. Die schriftliche Reflexion hilft uns anschließend dabei, dieses Verhalten einzuordnen, Muster zu erkennen und klügere Entscheidungen für die Zukunft zu treffen. Oder einfacher gesagt: Der Habit Tracker zeigt uns, was passiert ist. Die schriftliche Reflexion hilft uns, zu verstehen, weshalb es passiert ist.

Genau dadurch wird Schreiben so interessant. Es dient nicht nur dazu, Gedanken festzuhalten oder Ideen zu sammeln. Es hilft uns auch, unser eigenes Verhalten genauer wahrzunehmen, statt uns auf bloße Vermutungen, Erinnerungen oder allgemeines Wissen zu verlassen.

Was wir mitnehmen können

Zurück zum eingangs erwähnten Kurs: Was auf den ersten Blick wie ein einfaches Problem wirkt, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als mehrstufiger Denkfehler. Zuerst habe ich überschätzt, wie gut ich ein Thema tatsächlich verstanden habe. Wenn ich mich dann doch näher damit beschäftige oder mir hinterher notiere, was ich darunter verstehe, erkenne ich, dass mein Wissen viel lückenhafter ist, als ich angenommen habe.

Doch Wissen alleine reicht nicht aus, schon gar nicht, wenn es allgemein verfügbar ist. Denn es sagt nichts darüber aus, ob ich es auch umsetze. Gerade deshalb sind ein Habit Tracker sowie die schriftliche Selbstreflexion so nützlich. Sie holen uns aus dem diffusen Gefühl von „ich weiß das eh“ zurück in die konkrete Realität unseres Alltags.

Wenn Du solche Denkfehler und blinden Flecken in Deinem eigenen Alltag besser erkennen möchtest, findest Du auf meinem YouTube-Kanal weitere Videos zu kognitiven Verzerrungen. Und wenn Du das Schreiben nicht nur alleine, sondern gemeinsam mit anderen als Werkzeug für mehr Klarheit nutzen möchtest, dann könnte auch mein Reflexionsclub für Dich interessant sein.

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