Ist Social Media schädlich und für wen? Was sollten wir über Soziale Medien wissen, auch wenn wir nicht selbst dort aktiv sind? Diesen und weiteren aktuellen Fragen geht dieser Blogbeitrag auf den Grund. Dabei bringe ich meine Sichtweise sowie meine Erfahrungen ein, schließlich bin ich selbst schon seit Jahren in Social Media aktiv.
Social Media und junge Menschen
Aktuell wird in Österreich über ein Social-Media-Verbot für Jugendliche diskutiert. Seit Ende 2025 führte Australien als erstes Land weltweit ein Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige ein. Im Juni äußerte sich auch die britische Regierung, ein solches einführen zu wollen und in weiteren EU-Ländern werden entsprechende Maßnahmen gerade vorbereitet.
Obwohl es auch positive Auswirkungen gibt, weisen zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen darauf hin, dass die Risiken und negativen Auswirkungen für Kinder und Jugendlichen deutlich höher sind. Einer der Kritiker der übermäßigen Nutzung digitaler Medien durch Kinder und Jugendliche ist der bekannte Neurowissenschaftler Manfred Spitzer, der dazu bereits seit vielen Jahren zahlreiche Bücher veröffentlicht hat.
Im Mai wurde im Auftrag des Fonds Gesundes Österreich von der Gesundheit Österreich GmbH (einer öffentlichen wissenschaftlichen Einrichtung) eine
Überblicksstudie veröffentlicht, die sich mit der Auswirkung Sozialer Medien auf die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen beschäftigt. Dabei wurden 145 internationale Studien, die von 2015 bis 2025 veröffentlicht wurden, ausgewertet.
Dabei zeigte sich, dass dieses Thema sehr komplex ist. Als problematisch wurden vor allem passives Scrollen, sozialer Vergleich mit idealisierten Darstellungen, suchtähnliche Muster, die nächtliche Nutzung und Schlafmangel sowie emotional belastende oder stark polarisierende Inhalte identifiziert.
Positive Seiten sind hingegen soziale Unterstützung, Zugehörigkeit und emotionale Entlastung. Eine der wesentlichen Schlussfolgerungen daraus ist, dass die Förderung digitaler und sozial-emotionaler Kompetenzen sowie eines unterstützenden Umfelds in Familie, Schule und unter Gleichaltrigen entscheidend dafür sind, wie sich Social Media auf die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen auswirkt.
Meine Veröffentlichungen zu Medien
Die gute Frage ist: Was bedeutet das für Erwachsene und insbesondere für Menschen, die sich fürs Schreiben und/oder Lesen interessieren? An der Stelle möchte ich gerne auf mehrere Inhalte hinweisen, die ich bislang bereits zu Medien veröffentlicht habe.
Einerseits gab es bereits Anfang 2024 einen Blogbeitrag zum Thema Brauche ich Social Media? (Link: https://claudiasprinz.blogspot.com/2024/01/brauche-ich-social-media.html). Dieser Beitrag richtet sich hauptsächlich an Kreative und Selbstständige, die sich gelegentlich fragen, ob es sich lohnt, in Sozialen Medien aktiv zu sein.
Im Sommer 2024 habe ich zwei Podcast-Episoden über Mediengeschichte veröffentlicht. Im
ersten Teil ging es um die Entwicklung der menschlichen Sprache bis zum Buchdruck und Zeitungen.
Teil zwei stellte den Weg von gedruckten zu elektronischen und digitalen Medien vor und gab einen Ausblick in die Zukunft mit künstlicher Intelligenz. Dabei sprach ich auch Social Media an.
Im heurigen Sommer 2026 beschäftigte ich mich aufgrund der Inspiration eines Users (kurioserweise ausgerechnet in Social Media) in einer mehrteiligen Serie mit dem Thema Lesen. Die Serie startet mit der Anregung,
Lesen neu zu entdecken, stellte die Frage,
was man lesen könnte,
warum wir lesen,
wie wir lesen und
wo wir lesen könnten. Da die Serie zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Blogposts noch nicht abgeschlossen ist, werde ich ihn später nachträglich aktualisieren.
Warum ich mich dazu äußern kann
Wer mich bereits kennt oder in Social Media folgt, weiß vielleicht, dass ich neben meinen Drehbuchausbildungen und einem Lehrgang zum Literarischen Schreiben auch digitale Medien (der Studiengang hieß damals Multimedia Art) studiert habe.
Neben der Beschäftigung mit unterschiedlichen Medien, beruflicher Tätigkeit im Medienbereich und der Veröffentlichung unterschiedlicher Texte, kannst Du im Buch „
Sichtbar - 14 authentische Lebensgeschichten“ meine persönlichen Erfahrungen nachlesen.
Soziale Medien verstehen
Niemand muss einen landwirtschaftlichen Betrieb besitzen oder im Detail verstehen, welche Bedeutung die Bodenqualität für den Ertrag spielt, um die Bedeutung der regionalen Versorgung für unsere Ernährung zu verstehen. Genauso wenig muss man auf allen Social-Media-Plattformen angemeldet sein, ständig alle Inhalte anschauen oder selbst welche dort veröffentlichen. Es ist jedoch sinnvoll, zumindest ein Grundverständnis dafür zu entwickeln, welche Plattformen es gibt, wie sie funktionieren und wofür sie genutzt werden können.
Wer ist beispielsweise auf Facebook, Instagram, LinkedIn, Threads, TikTok oder YouTube unterwegs? Welche Inhalte werden dort veröffentlicht? Wie unterscheiden sich die Plattformen voneinander? Was kann ich dort lernen? Welche Menschen kann ich kennenlernen? Und welche Möglichkeiten bieten sie mir vielleicht selbst?
Wie wir vorhin aus der Überblicksstudie des Fonds Gesundes Österreich erfahren haben, sollten diese Fragen insbesondere Erziehungsberechtigte und Lehrkräfte beantworten können. Auch für Menschen, die gerne lesen und/oder schreiben, ist es hilfreich, Social Media einordnen zu können, denn Soziale Medien sind längst ein Teil unserer heutigen Medienlandschaft geworden. Es werden dort nicht nur private Fotos oder kurze Videos veröffentlicht. Menschen teilen ihr Fachwissen, diskutieren aktuelle Themen, empfehlen Bücher, präsentieren ihre Arbeit, knüpfen Kontakte und lernen andere Sichtweisen kennen.
Social Media ist immer auch das, was wir daraus machen. Die Inhalte und Gespräche entstehen durch die Menschen, die sich dort beteiligen. Genau deshalb ist es mir wichtig, unterschiedliche Plattformen nicht nur zu nutzen, sondern diese auch zu beobachten.
Einen wichtigen Teil machen die technischen Rahmenbedingungen einer Plattform aus. Dies betrifft die grundlegenden Funktionen der jeweiligen Plattform. Wie viele Zeichen kann ich pro Beitrag eingeben? Darf ich auch Bilder oder Videos hochladen? Welche Formate sind möglich und auf dieser Plattform erwünscht?
Außerdem gibt es auf den verschiedenen Social-Media-Plattformen unterschiedliche Gründe, warum uns gewisse Inhalte in einer bestimmten Reihenfolge gezeigt werden. Auch das ist technisch durch die jeweilige Plattform vorgegeben.
Die dunkle Seite
Hier kommt auch die häufig geäußerte Kritik an Social Media ins Spiel. Auf manchen Plattformen sind die Mechanismen darauf ausgerichtet, die Aufmerksamkeit der Nutzerinnen und Nutzer möglichst lange zu binden. Dazu werden unter anderem Inhalte bevorzugt, die automatisch emotionale Reaktionen wie Neugier, Überraschung oder Empörung auslösen. Wer diese psychologischen Mechanismen nicht kennt, kann leicht in den Sog solcher Inhalte geraten. Dafür gibt es mittlerweile mehrere Fachbegriffe.
Reißerische Schlagzeilen kennt man bereits von Zeitungen. Von „Clickbait“ spricht man, wenn ein digitaler Medienbeitrag hauptsächlich darauf ausgerichtet ist, möglichst viel Aufmerksamkeit und möglichst viele Klicks zu erzeugen. Dafür werden gerne Aufreger, Skandale oder bewusst provokante Formulierungen genutzt.
Stell Dir nun vor, es handelt sich nicht nur um das Titelblatt einer Zeitung, sondern um einen Social-Media-Beitrag nach dem anderen, der Deine Aufmerksamkeit auf sich zieht. Manche Plattformen ermöglichen, dass Du dort praktisch endlos weiterscrollen kannst, ohne eine neue Seite öffnen zu müssen. Auf Englisch wird es „Infinite Scrolling“ genannt. Wer dabei primär immer weiter negative oder beunruhigende Nachrichten konsumiert, obwohl diese zunehmend belasten, betreibt sogenanntes „Doomscrolling“.
Bewusst nutzen
Social Media ist jedoch nicht automatisch gleichbedeutend mit stundenlangem Scrollen. Entscheidend ist auch hier, wie wir damit umgehen und wofür wir die unterschiedlichen Plattformen nutzen.
Ich selbst verwende Soziale Medien beispielsweise vor allem, um mich kreativ auszudrücken, meine Arbeit sichtbar zu machen, mich mit anderen Menschen zu vernetzen und andere Perspektiven kennenzulernen. Vieles, was ich dort erfahre, würde mir außerhalb dieser Plattformen vermutlich nie begegnen.
Für Kreative oder alle Menschen, die sich fürs Schreiben oder fürs Lesen interessieren, bietet Social Media eine Möglichkeit, sich mit Gleichgesinnten zu vernetzen. Dafür habe ich meine
kostenlose Facebook-Gruppe gestartet.
Social Media-Aktivitäten beobachten
Wer bereits regelmäßig auf verschiedenen Plattformen aktiv ist, könnte seine Aktivitäten dokumentieren oder darüber schriftlich reflektieren. Nutze gerne die nachfolgenden Fragen als Inspiration:
- Welche Social-Media-Plattformen nutze ich?
- Wie viel Zeit habe ich heute/diese Woche/diesen Monat auf der jeweiligen Plattform verbracht?
- Womit habe ich mich auf der jeweiligen Plattform beschäftigt?
- Wen habe ich dort kennengelernt?
- Wie fühle ich mich während und nach der Nutzung?
Je nach Häufigkeit der Social Media-Nutzung kannst Du diese Übung einmal oder regelmäßig durchführen.
Wenn Du unter Anleitung reflektieren möchtest, könnte mein
Reflexionsclub für Dich interessant sein. Dort gibt es Anregungen zur schriftlichen Selbstbeobachtung und Selbstreflexion, die Möglichkeit, mir Fragen zu stellen oder Dich optional mit anderen auszutauschen.