18.8.24

Ethik bei (digitaler) Kreativität berücksichtigen

Die Digitalisierung verändert das kreative Schaffen grundlegend. Ob das Erstellen von Texten, die (audio)visuelle Gestaltung oder die Entwicklung anderer kreativer Projekte – mit neuen Technologien und der Unterstützung von künstlicher Intelligenz können nahezu alle Menschen Inhalte erstellen und mit einem globalen Publikum teilen.

Einerseits sind neue technologische Möglichkeiten für Nerds wie mich äußerst spannend. Andererseits entstehen dabei auch neue ethische Herausforderungen. Daher werden wir uns in diesem Blogbeitrag wesentliche Aspekte und Diskussionspunkte digitaler Ethik anschauen. Inspiriert wurde ich zu diesem Beitrag aufgrund einer kürzlichen Plauderei auf der Social-Media-Plattform „Threads“.

Wie Du vielleicht weißt, habe ich nicht nur mehrere Schreibausbildungen absolviert, sondern auch Multimedia Art sowie Corporate Social Responsibility und ethisches Management studiert. Bei letzterem haben wir uns häufig an der ISO 26000 orientiert. Das ist ein internationaler Leitfaden für gesellschaftliche Verantwortung von Organisationen und ich finde, dass sie auch auf digitale Ethik für Kreativprojekte angewandt werden kann.

1. Organisationsführung

Hast Du klare ethische Richtlinien für Deine Kreativprojekte definiert? Sie werden künftig das Fundament aller Tätigkeiten bilden. Was bereits für große Unternehmen innerhalb der EU gilt, wird demnächst auch kleine und mittelständische Unternehmen betreffen: Die sogenannte CSRD (Richtlinie zur Nachhaltigkeitsberichterstattung von Unternehmen innerhalb der EU) befindet sich gerade in der Umsetzung. Sie orientiert sich ebenfalls an Richtlinien wie der ISO 26000, die bereits seit vielen Jahren die Grundlage der freiwilligen Nachhaltigkeitsberichte in vielen Unternehmen ist.

Auch Kreative, die digitale Tools und Technologien nutzen, tragen Verantwortung für ihre Entscheidungen. Transparenz und Rechenschaftspflicht bei der Nutzung dieser Technologien sind unerlässlich, um Vertrauen beim Publikum aufzubauen und zu erhalten. Auf manche Social-Media-Plattformen, wie jenen von Meta, können Inhalte, die von künstlicher Intelligenz erstellt wurden, gekennzeichnet werden.

2. Menschenrechte

Wusstest Du, dass viele KI-Anwendungen gar nicht so „intelligent“ sind, wie sie auf den ersten Blick zu sein scheinen? Schon seit längerem ist bekannt, dass viele digitale Plattformen gering bezahlte Menschen beschäftigen, sogenannten Clickworker. Sie arbeiten in Ländern des Globalen Südens unter prekären Bedingungen und führen eintönige oder teilweise verstörende Aufgaben durch.

Es ist unerlässlich, sich dieser Realität bewusst zu sein und nach Möglichkeiten zu suchen, ethisch vertretbare Alternativen zu unterstützen oder den Arbeiterinnen und Arbeitern faire Löhne zu bezahlen, worauf auch der nächste Punkt Bezug nimmt. Zudem sollten Kreative die Privatsphäre ihres Publikums schützen, insbesondere wenn Daten gesammelt oder verarbeitet werden.

3. Arbeitspraktiken

Auch Kreative müssen faire Arbeitsbedingungen gewährleisten, sei es bei der Zusammenarbeit mit Teams, bei ihren Auftragnehmerinnen und Auftragnehmern oder durch die Nutzung von Plattformen, die ethische Standards einhalten. Selbstverständlich haben auch sie ein Anrecht auf faire Bezahlung ihrer Arbeit, die in der heutigen „Geiz ist geil und alle Inhalte müssen gratis sein“-Gesellschaft mitunter kritisiert wird.

Inhalte von anderen zu klauen, wie es teilweise auf Social-Media-Plattformen häufig zu beobachten ist, zählt definitiv nicht zu ethischem Verhalten. Faire Bezahlung und transparente Arbeitsverhältnisse sind nicht nur in traditionellen Unternehmen, sondern auch in der digitalen Kreativwirtschaft wichtig.

4. Umwelt

Die schöne neue Technologie-Welt produziert einen gigantischen ökologischen Fußabdruck. Die Herstellung von Produkten erfordert in der Regel Materialien und Energie. Dies gilt ebenso für digitale Kreativprojekte. Bei Anwendungen künstlicher Intelligenz entsteht ein besonders hoher Energie- und Wasserverbrauch, von der Verwendung von Rohstoffen zur Errichtung von Rechenzentren nicht zu sprechen.

Kreative sollten sich dieser Auswirkungen bewusst sein und im Rahmen ihrer Möglichkeiten nachhaltige Praktiken fördern. Dies könnte die Wahl energieeffizienter Hosting-Dienste oder ein bewusster Umgang mit den eigenen digitalen Aktivitäten sein. Ich habe mich schon vor längerem dazu entschieden, langlebige Geräte zu verwenden, automatische Benachrichtigungen abzustellen sowie Ökostrom zu beziehen.

5. Faire Betriebs- und Geschäftspraktiken

Wer Social Media zur Verbreitung seiner digitalen Kreationen nutzt, weiß, dass Algorithmen bei der Verbreitung von Inhalten eine zentrale Rolle spielen. Einerseits geht es darum, uns das zu zeigen, was uns mit hoher Wahrscheinlichkeit gefallen wird, um möglichst lange auf der jeweiligen Plattform zu verweilen. Dazu werden alle unsere Aktivitäten registriert. Andererseits können wir Social Media dazu nutzen, um uns mit Gleichgesinnten zu vernetzen, die eine ähnliche Philosophie vertreten.

Wir haben es in der Hand, ob wir andere durch positives Vorbild inspirieren oder mit reißerischen Inhalten Algorithmen manipulieren. Dass auch in Social Media gesponserte Inhalte transparent gemacht werden, wie bei anderen Arten der Werbung, sollte hoffentlich selbstverständlich sein. Hinweise auf Werbepartnerschaften sowie die Vermeidung aggressiver Taktiken könnten wichtige Bestandteile fairer Betriebs- und Geschäftspraktiken sein.

6. Konsumentinnen- und Konsumentenangelegenheiten

Wie jedes Unternehmen tragen auch Kreative ihren Kundinnen und Kunden gegenüber Verantwortung. Niemand würde es gutheißen, wenn Lebensmittelhersteller gesundheitsschädliche Substanzen ins Essen mischen. Ebenso hat das Publikum kreativer Produkte ein Anrecht auf essenzielle Informationen.

Grundsätzlich gilt, dass Inhalte nicht irreführend oder schädlich sein sollten. Wie bereits zuvor angemerkt, ermöglichen mittlerweile viele Social-Media-Plattformen Transparenz bei der Kennzeichnung von KI-Inhalten. Vertrauen ist der Schlüssel und die erforderte Ehrlichkeit und Rücksichtnahme auf die Interessen des (digitalen) Publikums.

7. Einbindung und Entwicklung der Gemeinschaft

Kreative haben die Möglichkeit, die Gemeinschaft in ihre Arbeit einzubeziehen. Wie bereits zuvor dargestellt, entstand die Idee zu diesem Blogbeitrag aufgrund eines Gesprächs auf Threads.

Außerdem könnten sie sich dafür einsetzen, das (digitale) soziale Bewusstsein zu fördern, lokale Projekte zu unterstützen oder Inhalte anzubieten, die das Gemeinwohl fördern. Sensibilität für unterschiedliche (Gesprächs-)Kulturen ist hierbei entscheidend, um sicherzustellen, dass Inhalte in verschiedenen Kontexten positiv aufgenommen werden, um die Interessen und Bedürfnisse sensibler Gruppen zu berücksichten.

8. Fazit 

Digitale Medien bieten uns kreativ schaffenden Menschen eine Vielzahl an Möglichkeiten. Damit ist auch eine große Verantwortung verbunden. Die Prinzipien der ISO 26000 bieten eine gute Orientierung, um unsere Arbeit bewusst zu reflektieren. Digitale Medien könnten nicht nur kreative, sondern auch ethische Innovation bringen. Es liegt in den Händen jeder und jedes Einzelnen, unsere digitale Zukunft verantwortungsvoll zu gestalten.

Dieser Blogbeitrag wurde durch ein Gespräch auf Threads inspiriert und entstand im Zuge eines Brainstormings mit ChatGPT. Zur ethischen Verantwortung von Autorinnen und Autoren gibt es bereits einen Blogbeitrag.

Schaue gerne auch auf meinen anderen Kanälen wie dem Schreibgeflüster Podcast oder meinem YouTube-Kanal vorbei. Dort findest Du weitere Tipps und Inspirationen zur Vielfalt des Schreibens. Hier geht es zu meinem Threads-Account.

Teile Deine Erfahrungen und Fortschritte vielleicht in einem Kommentar unter diesem Beitrag oder gerne auch in meiner kostenlosen Facebook-Gruppe, wo Du auch Fragen zu diesem oder anderen Themen stellen kannst.

 

28.7.24

Was tägliches Schreiben bringt

Tägliches Schreiben hat meiner Ansicht nach nur Vorteile. Warum ich davon überzeugt bin, erfährst Du im Verlauf dieses Blogbeitrags. 

Nachfolgend sind sieben wichtige Aspekte angeführt, die mir am regelmäßigen Schreiben besonders nützlich erscheinen. Sowohl Schreib-Newbies als auch Profis können von ihnen profitieren.

1. Aufmerksamkeit steuern

Kennst Du den Spruch: Energie folgt der Aufmerksamkeit? Vielen Menschen fällt es zunehmend schwerer, sich auf eine Sache zu konzentrieren. Wir werden im Alltag permanent durch  Benachrichtigungen elektronischer Geräte abgelenkt, andere Menschen scheinen fortwährend etwas von uns zu benötigen und auch unsere eigenen Gedanken spielen uns manchmal einen Streich. All das lenkt uns von dem ab, was wir ursprünglich machen wollten. Dieses permanente Hin und Her kostet Zeit und Energie. 

Tägliches Schreibens stärkt Deine Konzentrationsfähigkeit. Es trainiert Dich dabei, Deine Aufmerksamkeit auf eine Sache zu richten. Zudem wirkt das tägliche Schreiben über erfreulichen Themen motivierend und bestärkend. 

Indem Du Dir täglich aufschreibst, was Dir heute gut gelungen ist, wofür Du dankbar bist oder von wem Du heute etwas Nützliches gelernt hast, beschäftigst Du Dich gezielt mit den erfreulichen Aspekten Deines Lebens. Selbst in schwierigen Situationen lassen sich positive Aspekte finden. Alles, das Du schwarz auf weiß dokumentierst, kannst Du nicht mehr vergessen.

2. Selbstbeobachtung und Selbstreflexion verbessern

Das tägliche Aufschreiben unserer Gedanken, Gefühle, Erfahrungen, Begegnungen oder Erlebnisse führt uns diese somit schwarz auf weiß vor Augen. Wofür haben wir bewusst entschieden? Was davon war das Ergebnis alter Gewohnheiten? Wie haben wir uns in dieser Situation gefühlt? Was können wir ändern? Womit müssen wir uns abfinden?

Schreiben unterstützt unsere Fähigkeit, uns und unsere Bedürfnisse besser wahrzunehmen, um sie nicht mit jenen anderer Menschen zu verwechseln. Erst wenn wir erkennen, wer und was wir sind, was uns stärkt und was uns schwächt, können wir die förderlichen Aspekte stärken und jene loslassen, die nicht mehr in unser Leben passen. Natürlich betrifft dies auch unsere zwischenmenschlichen Kontakte, die für uns entweder stärkend oder schwächend wirken. Die tägliche schriftliche Reflexion hilft uns dabei, es leichter zu erkennen.

3. Stress abbauen

Selbst optimistisch denkende Menschen erleben Tage, wo sich scheinbar alles gegen sie verschworen hat. Wenn es einmal nicht so optimal gelaufen ist, bietet Dir Schreiben eine exzellente Möglichkeit, binnen weniger Minuten belastende Gedanken loszuwerden. 

Vorsicht: Grüble nicht erst stundenlang darüber, wie oder was du schreiben könntest - es würde mehr belastend als befreiend wirken. Notiere einfach und ohne Nachdenken alle Sorgen auf einem Blatt Papier. Du wirst Deinen Kummer los, indem Du alles schwarz auf weiß zu Papier bringst. 

Durch das Schreiben fällt es Dir leichter, Abstand zu gewinnen. Du kannst diese Notizen zu einem späteren Zeitpunkt zur Hand nehmen, um zu hinterfragen, wie real diese Wut, Trauer oder Angst ist. Eventuell entstehen unmittelbar danach erste Ideen, wie Du diese Sorgen verarbeiten oder lösen kannst.

4. Kreativität steigern

Dies führt uns bereits zum nächsten wichtigen Vorteil täglichen Schreibens: Es inspiriert uns zur Entwicklung weiterer Ideen. Wer kennt nicht die scheinbar aus dem Nichts entstehenden Kreativitätsschübe? Sie entstehen in Momenten der Entspannung wie beim Duschen, bei der Hausarbeit, beim Weg von A nach B oder vorm Einschlafen.

Durch das tägliche Notieren unserer Einfälle werden wir zu weiteren Ideen inspiriert. Sobald sie zu Papier gebracht sind, kommen uns rasch weitere in den Sinn. Das Gehirn produziert aufgrund der verstärkten Aufmerksamkeit, dem wir diesem Thema (siehe auch Punkt 1.) widmen, mehr davon. Sprich: Die Entwicklung von kreativen Ideen ist förderbar. Wir können sie verstärken, indem wir es regelmäßig praktizieren. Schreiben ist außerdem eine Möglichkeit, uns kreativ(er) auszudrücken, die durch regelmäßige Praxis gesteigert wird, aber dazu mehr im nächsten Punkt.

5. Sprachfähigkeiten praktisch verbessern

Kennst Du Menschen, denen es schwer fällt, sich ausdrücken? Genau so jemand war ich früher auch. Als Kind fiel es mir schwer, mich so artikulieren, wie ich es möchte. Durch das jahrelange Lesen von Kinderbüchern, das Schreiben von Briefen und Tagebüchern hat diesen Mangel behoben. Es gelang mir immer leichter, meine Gedanken zu Papier zu bringen und sie schließlich auch mündlich auszudrücken. Wenn Du heute meine Familie oder meine Freunde fragst, werden sie mich als eloquente Person beschreiben.

Was ich damals intuitiv richtig gemacht habe, kannst Du genauso. Das Lesen von qualitativ hochwertigen Büchern wird gemeinsam mit dem täglichen Schreiben schrittweise Deine Ausdrucksfähigkeit verbessern. Das Feedback von Profis hilft Dir, gezielt an Schwächen zu arbeiten, was insbesondere dann wichtig ist, wenn Du später etwas veröffentlichen möchtest. Dies setzt ein Mindestmaß an Sprachfähigkeiten voraus. Wie sollen diese entstehen, wenn sie nie trainiert wurden? Auch ein Marathon setzt voraus, dass Du regelmäßig laufen gehst. Tägliches Schreiben wirkt sich ähnlich positiv auf Deine Sprachfähigkeiten aus.

6. Ausdauer und Disziplin entwickeln

Beim letzten Punkt ist Dir sicher aufgefallen, dass die Verbesserung meiner Sprachfähigkeiten nicht von heute auf morgen entstanden ist, sondern einen längerfristigen Prozess war. Das tägliche Schreiben unterstützt Dich dabei, jene Ausdauer und Disziplin zu entwickeln, die Du zur Umsetzung von längeren Schreibprojekten benötigst. 

Im Gespräch mit Anfängerinnen oder Anfänger höre ich häufig, dass sie die Vorstellung haben, sie bräuchten sich nur etwas mehr Zeit nehmen und einen ruhigen Ort suchen, dann würden sie sich hinsetzen und den Roman oder das Sachbuch, die sie schon länger im Kopf haben, in einem Zug durchschreiben. 

Leider ahnen sie nicht, dass dies in den in den wenigsten Fällen klappt. Um zu Schreiben benötigst Du weder einen besonderen Ort, noch außergewöhnlich viel Zeit. Du kannst heute damit beginnen und jeden Tag damit fortsetzen. Bücher entstehen nicht von Zauberhand über Nacht, sondern Schritt für Schritt durch kontinuierliches Schreiben. 

7. Dein Gehirn trainieren

Unabhängig davon, ob Du nur für Dich oder für andere schreibst, ist das Verschriftlichen von Gedanken, Gefühlen, Erlebnissen, Fakten, Ideen oder Geschichten ein exzellentes kognitives Training. Das gilt ganz besonders für das handschriftliche Schreiben, das mehrere Gehirnregionen gleichzeitig beschäftigt. Schreiben trainiert nicht nur die Konzentration, die Kreativität und die Sprachfähigkeiten, sondern auch das Gedächtnis.

Wenn Du damit beginnen möchtest, reicht bereits ein Stift sowie ein Block Papier oder ein Notizbuch. Zum Schreiben von Texten, die andere lesen sollen, wie etwa diesen Blogbeitrag, nutze ich eine Tastatur, weil ich damit schneller bin. Das Brainstorming oder die Konzeption der Texte findet zumeist handschriftlich statt.

Du möchtest sofort loslegen? 

Hier findest Du weiterführende Blogbeiträge, wie Du einfach mit dem Schreiben beginnen kannst, Schreiben für Introvertierte, für Extravertierte und für Ambivertierte

Schaue gerne auch auf meinen anderen Kanälen wie dem Schreibgeflüster Podcast oder meinem YouTube-Kanal vorbei. Dort findest Du weitere Tipps und Inspirationen zur Vielfalt des Schreibens. 

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