9.7.23

Wie können wir Selbstbetrug entlarven?

Selbsttäuschung liegt vor, wenn wir bewusst oder unbewusst bestimmte Informationen ignorieren, verzerren oder rationalisieren. Studien zeigen, dass sich so gut wie jede oder jeder von uns bereits irgendwann einmal so verhalten hat. Das dient unserem Geist dazu, unsere eigenen Überzeugungen, Vorurteile oder Wünsche aufrechtzuerhalten. 

Nachdem ich diesen Blogbeitrag auf Instagram und Facebook angekündigt hatte, gab es einige Kommentare meiner Community. Mehreren Leuten fielen sofort Beispiele für Selbsttäuschung ein: Die Eltern oder Großeltern, die behaupten, dass Obst früher besser geschmeckt habe. Oder auch Menschen mit sehr niedrigem Einkommen, die nicht darüber nachdenken, wie sie ihre finanzielle Situation verbessern könnten, sondern behaupten, dass Geld nicht so wichtig sei. 

Oberflächlich betrachtet erscheinen diese beiden Beispiele lediglich auf einen unterschiedlichen Geschmackssinn oder eine andere Sichtweise hinzuweisen. Meinungen entstehen in der Regel aufgrund bewusster Auseinandersetzung mit Informationen und persönlichen Überzeugungen. Selbsttäuschung ist jedoch eine Verzerrung oder Vermeidung von Informationen, die der eigenen Vorstellung oder dem eigenen Wunsch widersprechen könnten. 

Selbsttäuschung ist eine natürliche Tendenz des menschlichen Geistes und geschieht oft unbewusst oder unabsichtlich. Menschen neigen dazu, sich selbst zu schützen oder ihr Selbstwertgefühl aufrechtzuerhalten, indem sie bestimmte Realitäten ignorieren oder verzerren.

Damit beschäftigt sich auch die Kognitionspsychologie. Das ist ein Teilbereich der Psychologie, der die Informationsverarbeitung im Gehirn untersucht. Forscher und Forscherinnen versuchen, die Mechanismen der Selbsttäuschung besser zu verstehen und zu erklären, warum und wie Menschen dazu neigen, sich selbst in die Irre zu führen. Hier sind einige Beispiele für Phänomene, die sie beobachten konnten:

  • Kognitive Verzerrungen“ könnten dazu führen, dass wir falsche Informationen bevorzugen oder Informationen gemäß unseren Überzeugungen interpretieren. Beim sogenannten Bestätigungsfehler ignorieren oder negieren wir Informationen, die nicht mit unseren eigenen Ansichten übereinstimmen, sondern wir fokussieren uns auf jene Informationen, die unsere bisherige Ansicht unterstützen.
  • Bei der „Gedächtnisverzerrung“ verändern oder verfälschen wir Erinnerungen an vergangene Ereignisse, dass sie besser zu unseren gegenwärtigen Überzeugungen passen. 
  • Ein weiteres Beispiel für Selbsttäuschung ist die „kognitive Dissonanz“. Um einen inneren Konflikt zu vermeiden, passen wir unsere Überzeugungen an oder rationalisieren diese. Kognitive Dissonanz entsteht, wenn eine Person widersprüchliche oder inkongruente Informationen oder Überzeugungen hat.
  • Um vor uns selbst und auch vor anderen gut dazustehen, versuchen wir, uns und anderen ein positives Bild zu vermitteln, um sozial akzeptiert zu sein oder Vorteile zu erlangen. Das nennt sich dann „soziale Kognition“.

Manchmal machen wir uns aus Selbstschutz etwas vor, um vor unangenehmen Wahrheiten oder Realitäten zu flüchten, die für uns Schmerz, Angst oder Stress bedeuten könnten. Es wirkt einfacher, sich selbst zu täuschen, als den Herausforderungen oder Konsequenzen der Realität ins Auge zu blicken.

Wir sind auch lange nicht so rational, wie wir oft denken. Nachdem Emotionen für die Art und Weise, wie wir Informationen verarbeiten und interpretieren, wichtig sind, können starke Emotionen unsere Wahrnehmung beeinflussen. Das kann dazu führen, dass wir uns selbst etwas vormachen, um unsere emotionalen Bedürfnisse zu erfüllen oder unangenehme Emotionen zu vermeiden. Du kannst also gar nichts dafür, wenn Du Dich selbst belügst. 

Hier sind einige Tipps, was Du tun kannst, um dem eventuellen Selbstbetrug auf die Spur zu kommen:

  1. Hinterfrage regelmäßig Deine eigenen Überzeugungen: Indem Du Dich gezielt darum bemühst, offen für neue Erkenntnisse zu bleiben, kannst Du besser zu objektiveren Einschätzungen gelangen und fällst weniger auf Illusionen herein. 
    Möglicherweise kennst Du Menschen, die veraltetes Wissen verbreiten. Auch wenn sie von jemandem, der aktuellere Informationen hat, darauf hingewiesen werden, ignorieren sie das und stellen ihre Überzeugung als die einzig richtige dar.
    Ein bekanntes Beispiel dafür war der Arzt Ignaz Semmelweis. Er hat Mitte des 19. Jahrhunderts herausgefunden, dass mangelnde Hygiene bei Entbindungen in Krankenhäusern die Ursache dafür war, warum in öffentlichen Kliniken bei Frauen häufiger Kindbettfieber auftrat als bei privaten Entbindungen. Seine Zeitgenossen haben ihn bedauerlicherweise nicht ernst genommen und seine Entdeckung als Unsinn verunglimpft. Man war damals der Ansicht, dass Hygiene  Zeitverschwendung ist. Dadurch entstand der in der Wissenschaft verbreitete Begriff Semmelweis-Reflex. Dieser beschreibt das Phänomen, dass neue Erkenntnisse von der etablierten Wissenschaft automatisch abgelehnt werden und die Person, die es entdeckt hat, mehr bekämpft als unterstützt wird, weil sie etwas gefunden hat, welches das gängige Denken in Frage stellt.
  2. Notiere Dir sofort widersprüchliche Beweise, anstelle sie zu ignorieren: Wenn Du trotz vorhandener Beweise oder Informationen, die im Widerspruch zu Deinen Überzeugungen oder Annahmen stehen, weiterhin an diesen festhältst und sie ignorierst, könnte dies ein Hinweis darauf sein, dass Du Dir etwas vormachst. Anstelle widersprüchliche Informationen zu ignorieren versuche eine neugierige Haltung einzunehmen, wie beispielsweise die Ermittler in einem Detektivroman. Ignoriere diese Hinweise nicht, sondern schreibe Dir solche Beobachtungen sofort auf. 
    Im Roman „Das Zeichen der Vier“ von Sir Arthur Conan Doyle wird Sherlock Holmes mit einem rätselhaften Fall konfrontiert. Während er nach Beweisen sucht, findet er Hinweise, die seine Vermutungen widerlegen. Holmes bleibt neugierig und notiert die widersprüchlichen Informationen sofort. Er findet heraus, dass einige Zeugenaussagen nicht übereinstimmen und einige Beweise nicht mit seiner ursprünglichen Theorie übereinstimmen. Er lernt, den Fall neu zu analysieren, verborgene Zusammenhänge zu erkennen und schließlich die Wahrheit zu entdecken.
  3. Durchschaue selektive Wahrnehmung: Wenn Du dazu neigst, nur Informationen oder Ereignisse wahrzunehmen, die Deinen Überzeugungen oder Annahmen bestätigen, während Du widersprechende Informationen ausblendest oder herunterspielst, könnte dies auf eine verzerrte Wahrnehmung hinweisen. Beschäftige Dich gezielt auch mit anderen Überzeugungen, um Deine Perspektive zu erweitern, indem Du Dir bewusst die wichtigsten Aspekte anderer Sichtweisen aufschreibst. Besonders schwierig ist dieser Perspektivenwechsel, wenn wir von etwas völlig überzeugt sind. Nimm eine positive und neugierige Haltung ein, die kleine Kinder oder Tiere von Natur aus mitbringen. Stell Dir vor, Du bist ein Forscher oder eine Forscherin, die ein neues Wissensgebiet entdecken möchte. Achte darauf, dass Du nicht automatisch dem zuvor erwähnten Semmelweis-Reflex unterliegst. 
  4. Vermeide Rationalisierung: Wenn Du versuchst, unangenehme oder widersprüchliche Informationen oder Ereignisse mit rationalen Erklärungen zu rechtfertigen, um die eigenen Überzeugungen aufrechtzuerhalten, könnte es ein Anzeichen dafür sein, dass Du Dir selbst etwas vormachst.
    Eine der größten Herausforderungen für Menschen in sozialen Berufen ist es, hilfsbedürftige Menschen davon zu überzeugen, Hilfe anzunehmen. Ich war einmal bei einem Vortrag eines Entwicklungshelfers, der in Sierra Leone wertvolle Arbeit leistet. Seine Organisation gibt Straßenkindern durch Schul- und Berufsausbildung eine neue Zukunft. Diese Kinder leben auf der Straße, weil ihre Eltern an Ebola verstorben sind und es in diesem Land kein Sozialsystem gibt, wo sich jemand um diese Waisenkinder kümmert. Er sagte, sobald Kinder eine Weile auf der Straße gelebt und sich an diese neuen Situation angepasst haben, reden sie sich ein, welche Vorteile das Lebens auf der Straße hat. Das ist ein typisches Beispiel für Rationalisierung. 
  5. Beachte emotionale Reaktionen: Starke emotionale Reaktionen wie Ärger, Ablehnung oder Angst in Bezug auf bestimmte Informationen oder Meinungen könnten darauf hindeuten, dass Du versuchst, unangenehme Wahrheiten zu vermeiden und Dir selbst etwas vorzumachen.
    Ein bekanntes Beispiel dafür ist das Drama Romeo und Julia von William Shakespeare. Die Familien der Liebenden sind verfeindet. Nachdem sie sich vor der Ablehnung ihrer Angehörigen fürchten, verheimlichen Romeo und Julia ihre Beziehung. Dies führt jedoch zu Verwirrungen, Missverständnissen und tragischen Folgen. Sie täuschen ihren Tod vor und am Ende nehmen sie sich aufgrund eines tragischen Missverständnisses das Leben. 
  6. Bleibe für andere Perspektiven offen: Wenn Du nicht bereit bist, andere Standpunkte oder Meinungen zu hören oder in Betracht zu ziehen, sondern hartnäckig an den eigenen festhält, kann dies ein Hinweis darauf sein, dass Du Dir selbst etwas vormachst. 
    Ein Beispiel für mangelnde Offenheit gegenüber anderen Perspektiven ist Jane Austins Roman „Stolz und Vorurteil“. Elizabeth Bennet ist der Meinung, dass Mr. Darcy arrogant ist. Sie beharrt auf ihrem ersten Eindruck und ignoriert Hinweise und Zeichen, die darauf hindeuten, dass ihre Wahrnehmung falsch ist. Als sie sich schließlich dazu entschließt, ihre Vorurteile zu überwinden, erkennt sie, dass sie sich getäuscht hat und dass Darcy ein aufrichtiger und liebenswerter Mann ist.
  7. Hole die Sichtweise einer vertrauten Person ein: Bitte wohlwollende, nahestehende und vertrauenswürdige Menschen in Deinem Umfeld um deren Einschätzung. 

Wenn Du aus diesen sieben Punkten eine Checkliste erstellst, kannst Du sie dazu nutzen, um bei wichtigen Themen zu untersuchen, ob Du Dich möglicherweise selbst betrügst. Dies setzt jedoch voraus, dass Du Dir selbst gegenüber stets ehrlich bist. 

Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass schonungslose Ehrlichkeit zu sich selbst manchmal schwierig und unangenehm sein kann. Falls Du die Videos meines YouTube-Kanals kennst, weißt Du vielleicht, dass ich bereits Lebensphasen hinter mir habe, wo ich weder fit noch schlank war. 2009 hatte ich 20 Kilogramm mehr wie jetzt. Mir selbst einzugestehen, dass es nur eine einzige Person gibt, die dafür Verantwortung trägt und nicht irgendwelche äußeren Umstände, war einer der erste Schritte, um meine Situation zu verändern.

Somit weiß ich aus eigener Erfahrung, dass es wichtig ist, dieses mitunter unangenehme Gefühl auszuhalten, das auftreten kann, wenn wir den Selbstbetrug entlarven. Später wirst Du erleichtert sein, weil Du die Täuschung durchschaut hast und Dir neu gewonnene Klarheit die Möglichkeit bietet, Gegenmaßnahmen zu setzen. 

Je öfter es Dir gelingt, die unbewussten Manipulationen Deines Geistes zu entlarven, desto leichter wird es. Zudem wirst Du Schritt für Schritt Deine eigenen Denkmuster und Verhaltensweisen kennenlernen und kannst sofort reagieren, falls etwas seltsam läuft. 

Einer der Hauptgründe, warum ich schon seit vielen Jahren Tagebuch führe, ist der sogenannte „Rückschaufehler“. Beim Rückschaufehler oder „hindsight bias“ glauben wir, wir hätten rückblickend bestimmte Dinge schon früher gewusst. Das ist jedoch Unsinn. Wenn ich mir Aufzeichnungen von früher ansehe, muss ich oft lachen, weil das natürlich nicht stimmt. Damals wusste ich natürlich noch nicht alles, das ich heute weiß. Möglicherweise kennst Du Menschen, die von der sogenannten „guten alten Zeit“ schwärmen. Ich kann das aufgrund meiner persönlichen Aufzeichnungen und Erfahrungen nicht bestätigen. 

Wenn Du Dich für weitere dieser Denkfehler interessierst, empfehle ich Dir das Buch „Die Kunst des klaren Denkens - 52 Denkfehler, die Sie besser anderen überlassen“ von Rolf Dobelli. Psychologie-Interessierte finden zusätzliche Informationen zu Selbsttäuschung im Psychologie-Lexikon von Werner Stangl oder lesen „Schnelles Denken, langsames Denken“ und „Noise“ von Daniel Kahneman.

23.6.23

Was sind Coaching, Training und Beratung?

Kürzlich gab es auf der österreichischen Nachrichten-Plattform orf.at einen Beitrag zu Coaching und persönlicher Sinnsuche. Laut diesem Artikel nehmen immer mehr Menschen diese Dienstleistung in Anspruch. Gleichzeitig ist mir bei der dazu gehörigen Online Diskussion aufgefallen, dass viele Menschen Coaching mit Training und Beratung verwechseln. Also fragte ich meine Instagram-Community, ob ich diese Begriffe näher erläutern soll. Dieser Blogbeitrag ist das Ergebnis dieser Abstimmung. 

Auch ich habe bereits sowohl privat als auch beruflich Coaching-, Trainings- und Beratungsleistungen genutzt und konnte als Klientin, Studentin, Kursteilnehmerin und Kundin viele praktische Erfahrungen sammeln. Zudem bin ich seit einiger Zeit TÜV-zertifizierte Trainerin für Erwachsenenbildung. Die Definition und Unterscheidung dieser unterschiedlichen Berufe war Teil meiner Ausbildung.

Coaches unterstützen dabei, die eigenen Ressourcen zu aktivieren, um eigenständig berufliche oder persönliche Ziele zu erreichen oder um selbst ein Problem zu lösen. Er oder sie arbeitet freiwillig und auf Augenhöhe. Das bedeutet, dass er oder sie den Klienten oder die Klientin als Experten oder Expertin für das eigene Leben betrachtet. Der Fokus liegt also dabei, ihn oder sie anzuregen, eigene Lösungen zu finden.

In der Praxis wählt der Coach oder die Coachin aufgrund der Erfahrung und des Wissens jene Coaching-Methode/n aus, die gerade jetzt zu dieser Person in dieser Situation am besten passt. Dadurch wird die Kreativität der jeweiligen Person aktiviert. Er oder sie entwickelt Ideen, wie er oder sie sich in gewissen Lebensbereichen verbessern, wie er oder sie konkrete Ziele erreichen oder für ein aktuelles Problem bestmöglich selbst eine Lösung finden kann. Das bedeutet in der Praxis, dass der Coach oder die Coachin weder Vorschläge bringt noch Vorgaben macht. Diese entwickelt der Klient oder Klientin selbst.

Der internationale Coaching-Dachverband ICF (International Coaching Federation) unterscheidet in seiner 2020 erschienenen globalen Coaching Studie zwischen Coaching-Praktikern sowie Führungskräften, die Coaching-Fähigkeiten im Job einsetzen. Die Coaching-Praktikerinnen sind in Unternehmen angestellt und/oder als externe Mitarbeitende tätig. 

Auch wenn es am Papier sympathisch klingt, wenn Personalverantwortliche oder Führungskräfte Coaching-Fähigkeiten einsetzen, um ihre Mitarbeitenden bestmöglich zu unterstützen, frage ich mich, wie das in der Praxis klappen soll. 

Im beruflichen Alltag müssen Vorgesetzte bekanntlich dafür sorgen, dass die Vorgaben und Ziele des Unternehmens erreicht werden. Somit können sie im Gegensatz zu einem externen Coach nie völlig unabhängig, freiwillig und aufgrund der Hierarchie auch gar nicht auf Augenhöhe agieren.

Um als Personalverantwortliche und Führungskräfte effektiv coachen zu können, muss eine Balance zwischen der Erreichung der Unternehmensziele und der individuellen Unterstützung der Mitarbeitenden, um deren persönliches Wachstum zu fördern, gewährleistet sein. Es ist wichtig, dass Führungskräfte, die auch Coachingaufgaben erfüllen, bereits von Beginn an sowohl gegenüber der Geschäftsführung als auch gegenüber den Mitarbeitenden diese beiden Rollen transparent kommunizieren.

In Österreich ist klar geregelt, dass sich jemand nur Coach nennen darf, wenn er oder sie eine Ausbildung als Sozial- und Lebensberater/in hat oder einen Gewerbeschein als Unternehmensberater/in vorweisen kann. Auch in der Schweiz gibt es Vorgaben des schweizerischen Berufsverbands für Coaching, Organisationsberatung und Supervision, die eingehalten werden müssen. 

Ganz anders sieht es in Deutschland oder in anderen europäischen Ländern aus. In Deutschland und etlichen anderen europäischen Ländern sind die Voraussetzungen für die Ausübung des Coach-Berufs im Vergleich zu Österreich deutlich lockerer. Zudem sorgt die Vielzahl an Ausbildungswegen und Zertifizierungen gerade bei Laien für Verwirrung. Dies erschwert die Unterscheidung zwischen seriösen Coaches und solchen, die vielleicht nur einen Wochenend-Kurs belegt haben oder gar keine formale Ausbildung vorweisen können. 

Um die Qualität eines Coaches zu beurteilen, kann es hilfreich sein, seine oder ihre Ausbildung zu überprüfen. Die Mitgliedschaft in einem internationalen Dachverband wie dem ICF (International Coaching Federation) kann auf die Einhaltung von Mindeststandards hinweisen. In einem boomenden Markt ist bei einigen Coaches aus Deutschland Vorsicht geboten, um nicht auf schwarzer Schafe hineinzufallen. Es gibt immer wieder Menschen, die fehlende gesetzliche Vorgaben und mangelnde Transparenz zu ihren Gunsten ausnutzen.

Beim Training geht darum, jemandem Know-how zu vermitteln. Diese Wissensvermittlung orientiert sich ähnlich wie in der Schule an einem Lehrplan. Es gibt jedoch entscheidende Unterschiede zur Schule. 

Lehrkräfte haben in der Schule auch erzieherische Aufgaben zu erfüllen. Zusätzlich läuft es im Schulunterricht ähnlich hierarchisch zu wie in vielen Unternehmen. Der Lehrplan wird nicht vom Lehrer oder der Lehrerin und auch nicht von der Schuldirektion bestimmt, sondern von einer Behörde. 

Solche strengen Lehrpläne gibt es bei Erwachsenen an Abendschulen für Abitur/Matura oder bei Prüfungen für eine Berufs- oder Gewerbeberechtigungen und an vielen Universitäten oder Fachhochschulen. 

Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass es später bei der Auswahl der Themen für die Studienabschlüsse etwas lockerer gehandhabt wird. Je innovativer der Studienzweig ist, desto flexibler wird der Unterricht gestaltet und desto entgegenkommender sind die Vortragenden und Referentinnen. Trotzdem wird von Studenten und Studentinnen häufig eine hohe Eigenleistung erwartet, um sich einen Teil des Wissen zu selbst zu erarbeiten. 

Im Schulunterricht, aber auch an vielen Universitäten und Fachhochschulen, ist es aufgrund der hohen Teilnehmerzahl gar nicht möglich, auf die subjektive Bedürfnisse der Lernenden einzugehen. Im Training hingegen sind die Gruppen viel kleiner und dadurch ist eine bessere individuelle Betreuung viel besser möglich.

Mittlerweile ist wissenschaftlich nachgewiesen, dass Menschen sozial lernen. An vielen Schulen als auch Universitäten hinkt man sowohl methodisch als auch inhaltlich und darüber hinaus auch vom immer noch sehr hierarchischen Verhalten und Denken etlicher Lehrkräfte dem aktuellen Stand der Lernforschung hinterher. Dieser Rückstand behindert den Lernfortschritt leider mehr, als dass er ihn fördern würde. 

Professionelle Trainer und Trainerinnen bemühen sich hingegen bereits von Beginn an um den Aufbau einer guten zwischenmenschlichen Beziehung. Denn sie wissen, dass die Teilnehmenden dadurch viel besser und leichter lernen. Sie arbeiten mit dem Vorwissen der Teilnehmenden und gehen gezielt auf deren Bedürfnisse und Interessen ein. 

Trainer und Trainerinnen in der Erwachsenenbildung nutzen analoge und digitale Präsentationsmedien, setzen verschiedene bewährte Methoden ein, wie Gruppenarbeit, Fallbeispiele, interaktive Übungen und individuelles Feedback, um den unterschiedlichen Lernbedürfnissen und Präferenzen der Teilnehmenden gerecht zu werden.

Viele haben eine fundierte Ausbildung, wo sie nicht nur  unterschiedliche Methoden gelernt haben, sondern auch, wie sie auf unterschiedliche Persönlichkeiten in Gruppen und auf verschiedenen Lerntypen eingehen können. Ihr oberstes Ziel ist, Wissen nicht nur theoretisch zu vermitteln. Die Teilnehmenden sollen dieses auch verstehen und praktisch anwenden, ihre Fertigkeiten und Kompetenzen erweitern und damit die Lernziele erreichen. 

Berater sind Fachleute auf einem bestimmten Gebiet, die Menschen dabei helfen, Probleme zu erkennen, Lösungen zu finden und Entscheidungen zu treffen. Berater bieten professionelle Unterstützung und Rat in verschiedenen Bereichen an, sei es im persönlichen Leben, in zwischenmenschlichen Beziehungen oder im beruflichen Kontext. 

Lebens- und Sozialberater helfen in Österreich psychisch gesunde Menschen bei persönlichen Themen wie Entscheidungen, bei familiären Konflikten oder auch beim Berufswechsel. Die Ausbildung ist streng geregelt und enthält neben der mehrsemestrigen Ausbildung zusätzlich viele Praktikums-Stunden. Eine vergleichbare Ausbildung gibt es in Deutschland und in der Schweiz nicht.

Unternehmensberater unterstützen Selbstständige und Unternehmen in wirtschaftlichen Fragen. Sie helfen bei der Analyse, bei der Strategie, bei Prozessen oder bei Abläufen von Unternehmen und schlagen verschiedene Maßnahmen vor, um den wirtschaftlichen Erfolg zu steigern. 

Um in Österreich als Unternehmensberater zugelassen zu werden, sind zahlreiche Voraussetzungen zu erfüllen (betriebswirtschaftliche und wirtschaftsrechtliche Kenntnisse sowie Berater Know-how). Zum Nachweis benötigt man entweder ein Fachstudium oder eine Prüfung. Um in Deutschland oder in der Schweiz eine Unternehmensberatung zu gründen, erfordert keine so strengen Voraussetzungen wie in Österreich. 

Fazit: Coaches, Trainer und Berater erfüllen jeweils unterschiedliche Aufgaben. Die ersten aktivieren die persönlichen Ressourcen, die zweiten vermitteln effektiv Wissen und die dritten unterstützen mit ihrer fachlichen Erfahrung. Zusätzliche Informationen aus der Praxis findest Du bei diesem Beitrag im HR-Web.

Natürlich kann Schreiben sowohl bei Coaching, bei Training als auch bei Beratung hilfreich sein:

  1. Indem Du Gedanken und Gefühle zu Papier bringst, gewinnst Du eine klare Sicht auf Deine eigenen Bedürfnisse und Ziele. 
  2. Schreiben ermöglicht einen Dialog mit Dir selbst, indem Du Dir Fragen stellst und Antworten darauf schriftlich formulierst.
  3. Schreiben unterstützt Deine kreative Problemlösung. Indem Du neue Ideen und Lösungsansätze aufschreibst, kannst Du sie weiterentwickeln. 
  4. Schreiben ist essenziell fürs Lernen. Es beginnt bereits beim Notieren von Informationen während des Unterrichts oder beim Training. Beim Lernen unterstützt es Dich bei der Visualisierung Deiner Gedanken oder um das Verständnis weiter zu vertiefen und das Erlernte besser zu behalten.
  5. Auch für die Analyse Deiner privaten oder auch beruflichen Situation ist Schreiben eine wertvolle Hilfe. 
  6. Komplexe Gedanken können durch Aufschreiben besser strukturiert und geordnet werden. Gerade wenn es um die Umsetzung eines größeren Ziels geht, ist Schreiben sehr nützlich, um Dich besser zu organisieren.
Insgesamt ist Schreiben sehr wertvoll, um persönliches und berufliches Wachstum, Erkenntnisgewinn und Entwicklung zu unterstützen. Schau gerne auch auf meinem YouTube-Kanal vorbei. Dort findest Du viele unterschiedliche vertiefende Videos.

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