24.11.24

Zu wenig Zeit für mich!

Wer kennt es nicht? Ständig springen wir von Termin zu Termin oder meistern zeitgleich mehrere Projekte und Verpflichtungen. Besonders gegen Ende des Jahres scheinen wir nahezu rund um die Uhr gefordert zu sein. Dabei bleibt kaum noch Zeit für uns selbst, und wir verlieren uns dabei manchmal fast aus den Augen. Aber warum ist das so?

Segen und Fluch der Technik
So wunderbar moderne Technologie auch ist, weil wir jederzeit und überall erreichbar sein können, so problematisch ist sie andererseits. E-Mails, Nachrichten oder Anrufe kennen keine Pause und erfordern permanent unsere Aufmerksamkeit. Wir fühlen uns häufig verpflichtet, sofort zu reagieren, weil wir unser Gegenüber nicht warten lassen möchten.

Perfektion in Beruf und Privatleben

Oder wir denken, dass wir den steigenden Anforderungen und den Wünschen, die uns andere im Beruf oder im Privatleben stellen, gerecht werden müssen. Wir bemühen uns häufig, zuerst an Kundinnen und Kunden, Vorgesetzte oder unsere Familie zu denken. Dabei kann es schnell passieren, dass wir vergessen, dass wir keine Maschinen sind, sondern Menschen mit natürlichen Grenzen.

Gefährlicher gesellschaftlicher Trend
Dazu kommen problematische Entwicklungen: Einerseits wird uns in Social Media gezeigt, wie es richtig geht. Täglich sehen wir scheinbar perfekte Bilder von perfekten Leben. Gleichzeitig berichten immer mehr Medien über egoistische und narzisstische Menschen, die rücksichtslos „ihr Ding durchziehen“ und sogar „über Leichen gehen“. Viele von uns denken sich: „So bin ich sicher nicht, so will ich keinesfalls auf andere wirken.“

Gefahren ständiger Erreichbarkeit
Wer rund um die Uhr auf Abruf bereitsteht und fortwährend nur an andere denkt, nimmt ein hohes Risiko in Kauf. Denn unsere Aufmerksamkeit und unsere Energie sind begrenzt. Vielen ist dies nicht bewusst und sie neigen dazu, die eigenen Bedürfnisse zu missachten und die Signale ihres Körpers und Geistes zu übersehen. Müdigkeit, Stress oder Unzufriedenheit bleiben unbemerkt, und der Kontakt zu uns selbst geht verloren. Dauerstress kann zu schwerwiegenden Erkrankungen führen.

Zurück zu uns selbst finden
Damit es keinesfalls dazu kommt, ist es wichtig, rechtzeitig gegenzusteuern. Um wieder zu uns selbst zurückzufinden, hilft es, sich gelegentliche Auszeiten zu nehmen, innezuhalten und auf uns selbst zu hören. Das zeigt auch die steigende Beliebtheit und Effektivität von Praktiken wie Achtsamkeit und Meditation, die sich auch wissenschaftlich nachweislich positiv auf Gehirn und Körper auswirken.

Schreiben als Wegbegleitung
Auf dem Weg zu uns zurück kann Schreiben eine wertvolle Unterstützung sein. Dafür benötigen wir weder Rechtschreibung noch Grammatik, ein Blatt Papier und ein Stift sind völlig ausreichend. Beantworte Dir schriftlich die folgende Frage: Wie fühle ich mich jetzt wirklich? Bin ich zufrieden mit dem, was ich tue? Wichtig dabei ist, dass Du Dir diese Frage ehrlich beantwortest. Während des Schreibens werden sich viele Antworten ganz von alleine ergeben. Im Laufe der Praxis wirst Du zunehmend Deine eigenen Bedürfnisse besser wahrnehmen.

Die Macht des Schreibens
Außerdem unterstützt Dich Schreiben dabei, Klarheit zu gewinnen. Indem Du Deine Gedanken und Gefühle aufschreibst, erkennst Du plötzlich Zusammenhänge, die Dir vorher vielleicht nicht bewusst waren. Schreiben hilft Dir zu erkennen, ob Du Deinen eigenen Bedürfnissen und Zielen folgst oder ob Du nur den Erwartungen anderer entsprichst.

Praktischer Tipp

Nimm Dir täglich einige Minuten Zeit, um ein Journal oder ein Tagebuch zu starten. Die Morgenstunden oder abends vor dem Einschlafen eignen sich gut dafür. Du könntest etwa über Deine Erlebnisse während des Tages reflektieren, Dir aufschreiben, wofür Du dankbar bist, Deine heutigen Erfolge festhalten oder Deine aktuellen Herausforderungen benennen. So entwickelst Du im Laufe der Zeit ein besseres Verständnis für Dich selbst.

Grenzen setzen lernen
Wenn Du regelmäßig reflektierst, lernst Du, Deine Grenzen besser zu erkennen und zu setzen. Das bedeutet auch, häufiger „Ja“ zu Dir selbst und gelegentlich „Nein“ zu anderen zu sagen, um Überlastung zu vermeiden.

Regelmäßige Me-Time
Selbstfürsorge ist weder Egoismus noch Luxus, sondern die einzige sinnvolle, langfristige und nachhaltige Grundlage für Dein Wohlbefinden und Deine Gesundheit. Zudem bringt sie viele weitere Vorteile: Im Laufe der Zeit steigerst Du automatisch Deine Kreativität, Produktivität und Zufriedenheit. Du bist motivierter und kannst leichter und besser Entscheidungen treffen.

Die nächsten Schritte
Probiere es gleich aus und nimm Dir heute am Abend fünf Minuten Zeit zum Schreiben. Was tägliches Schreiben bringt, kannst Du hier im Blog nachlesen oder erfahren, wie Du einfach mit dem Schreiben beginnen kannst. 

Schau gerne auf meinem YouTube-Kanal vorbei oder werde Mitglied in meiner kostenlosen Facebook-Gruppe – dort findest Du viele Tipps zu Selbstbeobachtung und Selbstreflexion durch Schreiben.

Nimm gerne an einem meiner Schreibworkshops teil, wo Du von mir beim Schreiben angeleitet wirst und die Empfehlungen sofort praktisch umsetzen und Dich hinterher mit Gleichgesinnten austauschen kannst.

3.11.24

Schlauer als alle anderen

Stell Dir vor, Du hättest ein geheimes Wissen, das Dich deutlich klüger als die meisten Menschen um Dich herum macht. Genau darum wird es in diesem Blogbeitrag gehen: Um verschiedene Arten des Denkens und wie Du durch Schreiben Dein Gehirn noch effektiver nutzt und deutlich bessere Entscheidungen triffst. Am Ende erfährst Du, welche Fallen Du beim Denken besser vermeiden solltest. 

Die Menschheit beschäftigt sich bereits seit Jahrtausenden mit dem Denken und hat seither zahlreiche Theorien des Denkens entwickelt. Ob Religion und Philosophie, Kunst, Literatur und Musik oder Wissenschaft – viele dieser Erklärungen weisen grundlegende Ähnlichkeiten auf. Einige beschränken sich auf spezielle Anwendungen in Religion, Philosophie oder Wissenschaft, die für den Alltag der meisten Menschen eher eine untergeordnete Rolle spielen. 

Daher beschränke ich mich hier auf die drei wichtigsten Arten des Denkens, die Du zum Teil bereits von früheren Beiträgen kennst. Es gibt in Deinem Gehirn zwei Systeme: Das intuitiv-schnelle Denken, das Deinem Gehirn kaum Energie kostet. Und das analytisch-langsame Denken, das für Dein Gehirn anstrengender ist. Beim lateralen Denken werden diese beiden Arten des Denkens kombiniert. 

Die Unterscheidung zwischen schnellem und langsamem Denken stammt aus dem gleichnamigen Buch von Daniel Kahneman. Der Begriff des lateralen Denkens hat Edward de Bono geprägt. Diese drei Arten des Denkens werden wir uns jetzt genauer ansehen.

Schnelles Denken

Schnelles Denken setzt Du ein, wenn Du spontane Entscheidungen triffst oder intuitiv handelst. Dieses Denken funktioniert beinahe wie ein Autopilot: Es ist automatisch und unbewusst. Oft geht es so schnell, dass Du den Denkprozess selbst gar nicht bemerkst.

So erkennst Du beispielsweise ein vertrautes Gesicht in einer Menge anderer Menschen, bevor Du es überhaupt richtig verarbeitet hast. Oder Du findest intuitiv den perfekten Moment, um den Auslöser zu drücken, wenn Du fotografierst. Diese schnelle Denkweise hilft Dir, Dich zügig an Situationen anzupassen, und kann besonders dann nützlich sein, wenn keine Zeit zum langen Überlegen bleibt. Genauso schnell können plötzliche Geistesblitze entstehen, die ebenso rasch wieder verschwinden.

Hier kommt das Schreiben ins Spiel: Wenn Du Dir regelmäßig Notizen machst, schaffst Du eine Verbindung zwischen Deinen spontanen Gedanken und Deinem bewussten Denken. Du kannst etwa Deine Ideen und schnellen Einfälle sofort aufschreiben. So fängst Du kreative Eingebungen sofort ein, die Du sonst vielleicht vergessen würdest. 

Dieser einfache Trick macht Dich nicht nur spontaner, sondern auch bewusster in der Anwendung Deiner Intuition. Wer so schlau ist, das Schreiben als Werkzeug für schnelles Denken zu nutzen, hat einen enormen Vorteil: Du leidest nie wieder unter Kreativitätsmangel und kannst auf Deine besten Ideen zugreifen, wann immer Du sie benötigst.

Langsames Denken

Das langsame Denken dagegen ist das genaue Gegenteil des schnellen. Hier nimmst Du Dir bewusst Zeit, um zu reflektieren, zu analysieren und über Möglichkeiten nachzudenken. Es ist der Modus, den Du einschaltest, wenn Du etwas analysieren oder gründlich durchdenken möchtest. 

Langsames Denken kann sich anfühlen wie die Arbeit der Polizei in einem Krimi, wo die Profis alles genau untersuchen, um einen Mord aufzuklären. Ähnlich ist es, wenn Du eine bedeutende Entscheidung treffen möchtest. Dabei wirst Du in der Regel auch logisch und strukturiert überlegen und nicht spontan handeln.

Langsames Denken ist besonders hilfreich, wenn es darum geht, Informationen zu analysieren, Annahmen zu treffen und daraus Erkenntnisse zu entwickeln oder ein Problem in kleinere Schritte zu zerlegen. 

Bei kreativen Tätigkeiten, wie beim Schreiben dieses Blogbeitrags, kann es einen großen Unterschied ausmachen, ob wir Ideen nur oberflächlich betrachten oder sie in aller Ruhe durchdenken. 

In der Wirtschaft ist langsames Denken genauso nützlich: Viele Führungskräfte oder Selbstständige setzen langsames Denken, um genau abzuwägen, wie sie ihre nächste Strategie entwickeln wollen oder welche finanziellen Entscheidungen am klügsten sind. 

Bei komplexen oder wichtigen Entscheidungen ist die Fähigkeit, logisch und strukturiert zu denken, besonders wertvoll. Schreiben unterstützt diesen Vorgang: Beim langsamen Denken sorgt es dafür, Gedanken zu strukturieren, Ideen zu ordnen und tiefere Einsichten zu gewinnen. 

Schreibe Deine Überlegungen und Analysen auf. Du kannst auf Deine Notizen immer wieder zurückgreifen und sie jederzeit ergänzen. Diese Vorgangsweise unterstützt Dich beim Denken. Schreiben hilft Deinem Verstand, Dinge gründlicher zu durchdenken, als wenn Du es ausschließlich gedanklich machen würdest. Der Schreibprozess verankert Deine Überlegungen tiefer in Deinem Gedächtnis und ermöglicht Dir, Deine Ideen später weiterzuentwickeln. Wer das Schreiben für langsames Denken nutzt, denkt nicht nur tiefgründiger, sondern auch langfristiger.

Laterales Denken

Aus meiner Sicht ist laterales Denken eine Art „Königsdisziplin“. Dabei kombinieren wir das spontane, intuitive und schnelle Denken mit dem analytischen, gründlichen und langsamen Denken. Laterales Denken ist so ähnlich, wie wenn Du einen breiten Wanderweg verlässt und Dich plötzlich durch die Wildnis durchschlägst. Laterales Denken bedeutet, Situationen aus einem gänzlich neuen Blickwinkel zu betrachten. 

Ein typisches Beispiel für laterales Denken in der Praxis ist die Kombination zweier unterschiedlicher Konzepte, um etwas Neues zu schaffen. Früher konnte man hochwertigen Wein nur im Laden kaufen oder ihn im Restaurant zum Essen bestellen – oft zu hohen Preisen. Mittlerweile gibt es jedoch auch Vinotheken, in denen Du den Wein nicht nur zum Ladenpreis kaufen, sondern ihn vor Ort genießen kannst. Teilweise werden Dir ergänzend köstlichen Speisen angeboten. Ein weiteres Beispiel ist die Kombination von Buchladen und Café, wo Du Dich sofort mit Deinem neuen Buch und einer Tasse Tee oder Kaffee hinsetzen und weiterschmökern kannst.

Laterales Denken ist besonders in kreativen Berufen und bei Problemlösungen wertvoll. Beim bewussten Verlassen gewohnter Denkweisen entstehen oft Lösungen, auf die Du mit reiner Logik alleine nicht gekommen wärst. 

Für mich ist das Schöne am lateralen Denken, dass dadurch neue Sichtweisen oder Gedanken entstehen können. Beispiele dafür findest Du bei einigen meiner YouTube-Videos, Podcast-Episoden oder Blogbeiträgen. 

Manchmal reicht es aus, wenn Du die Perspektive wechselst und Dich fragst, wie Du ein Problem auf unübliche Weise lösen könntest. Indem Du das Ungewohnte in Betracht ziehst und neue Wege ausprobierst, erschließt Du Dir viele neue Möglichkeiten. Laterales Denken hilft Dir, ungewöhnliche Verbindungen herzustellen, um so Innovationsideen zu finden.

Durch Schreiben hältst Du diese kreativen und querdenkenden Impulse fest und kannst sie jederzeit weiterentwickeln. Indem Du aufschreibst, was Dir in ungewöhnlichen Momenten einfällt, und damit spielerisch experimentierst, gibst Du Deiner Kreativität Raum, Ideen auf neue Weise zu verknüpfen. 

Wer Schreiben nutzt, um lateral zu denken, hat einen klaren Vorteil: Deine Notizen bieten Dir die Freiheit, neue Kombinationen auszuprobieren, ohne sofort Lösungen finden zu müssen. Wenn Du die laterale Denkweise regelmäßig übst, wirst Du selbst knifflige Denkaufgaben souverän meistern.

Unproduktive Denkweisen

Neben diesen drei nützlichen Arten des Denkens gibt es auch einige unproduktive Denkweisen, die Dich im Alltag gehörig einbremsen können. Sie laufen häufig unbewusst ab, denn sie sind das Resultat von Denkfehlern oder sogenannten kognitiven Verzerrungen, wie ich sie aktuell in meiner Serie auf YouTube vorstelle. 

Ein Beispiel dafür ist das Katastrophisieren – also die Vorstellung, dass alles den schlimmstmöglichen Ausgang nimmt. Übermäßiges Grübeln, bei dem Du immer wieder die gleichen Probleme durchdenkst, ohne eine Lösung zu finden, ist ebenfalls wenig sinnvoll. Denn es kann Dich davon abhalten, klar zu denken und konstruktiv zu handeln.  Solche unproduktiven Denkweisen hindern Dich daran, neue Perspektiven einzunehmen und die Kontrolle über Dein Denken zu behalten.

Auch in meinem Blogbeitrag „Wie können wir Selbstbetrug entlarven?“ erläutere ich, wie wichtig es ist, solche Denkfehler zu erkennen und sich selbst gegenüber ehrlich zu sein. Indem wir kognitive Verzerrungen erkennen und bewusst gegensteuern, können wir klarere und objektivere Entscheidungen treffen.

Schreiben kann dabei ein wertvolles Hilfsmittel sein, um solche unproduktiven Denkmuster zu entlarven und zu verändern. Wenn Du Deine Gedanken und wiederkehrenden Sorgen aufschreibst, kannst Du sie klarer betrachten und Dir bewusst machen, was wirklich dahinter steckt und welche Denkmuster Dir im Weg stehen. 

Das Aufschreiben hilft Dir, Dich von negativen Gedankenschleifen zu befreien. Wer sich die Mühe macht, solche Gedanken schriftlich festzuhalten, wird im Laufe der Zeit merken, dass das Aufschreiben immer mehr Klarheit und Selbstkontrolle bringt und solchen unproduktiven Gedanken den Schrecken nimmt.

Durch Schreiben besser denken

Indem Du verstehst, wie die verschiedenen Denkweisen funktionieren, kannst Du bewusster entscheiden, welche Art des Denkens Du wann einsetzt. Schreiben hilft Dir dabei, dieses Wissen gezielt anzuwenden und Dein Denken besser zu steuern. 

Ob Du spontan eine kreative Idee benötigst oder ein komplexes Problem lösen möchtest – die richtige Denkweise kann den entscheidenden Unterschied machen. Vertraue Deiner Intuition, wenn Du schnelle Entscheidungen treffen musst, und nimm Dir Zeit für gründliche Überlegungen, wenn es um wichtige Themen geht. 

Nutze Schreiben, um Deine Denkprozesse zu verstehen und weiterzuentwickeln, und bleibe offen für ungewöhnliche Ideen. So wirst Du Schritt für Schritt schlauer als alle anderen und wirst Dich im Gegensatz zu ihnen über immer vielfältigere Möglichkeiten und Ideen freuen können.

Schaue gerne auch auf meinen anderen Kanälen wie dem Schreibgeflüster Podcast oder meinem YouTube-Kanal vorbei. Dort findest Du weitere Tipps und Inspirationen zur Vielfalt des Schreibens. 

Teile Deine Erfahrungen und Fortschritte vielleicht in einem Kommentar unter diesem Beitrag oder gerne auch in meiner kostenlosen Facebook-Gruppe, wo Du auch Fragen zu diesem oder anderen Themen stellen kannst.

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