19.11.23

Schreiben für Extravertierte

Nach dem Blogbeitrag zu Schreiben für Introvertierte widmen wir uns heute dem Schreiben für extravertierte Menschen. Als extravertiert werden Menschen bezeichnet, die ihre Aufmerksamkeit nach außen richten und durch die Begegnung und den Austausch mit anderen Menschen Energie gewinnen. Du kennst sicher Leute, die gerne andere Menschen treffen, um sich mit ihnen auszutauschen oder mit ihnen gemeinsam etwas zu unternehmen. Das sind in der Regel extravertierte Menschen.

Für Extravertierte ist der soziale Austausch oft ein Quell der Energie und Inspiration. Sie blühen inmitten von Menschenansammlungen auf und bringen ihre Gedanken und Gefühle gerne mündlich zum Ausdruck. Gerade diese quirligen Menschen nehmen sich viel zu wenig Zeit fürs Schreiben, dabei bietet es eine hervorragende Möglichkeit, eine kreative Verbindung zu ihrer inneren Welt herzustellen und diese scheinbar gegensätzlichen Welten miteinander zu verbinden.

Schreiben bietet Extravertierten einen Einblick in ihre eigene Gedanken- und Gefühlswelt und öffnet ihnen neue Möglichkeiten zur Kommunikation. Während sie mündlich oft spontan und direkt sind, ermöglicht das Schreiben eine sorgfältige Formulierung ihrer Botschaften. Es erlaubt ihnen, ihre Gedanken klar zu strukturieren und ihre Botschaft präzise zu übermitteln.

Da Extravertierte gerne im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen, kann das Schreiben ihnen eine neue Variante bieten, ihre Ideen und Visionen mit anderen Menschen zu teilen. Das stärkt ihr Selbstvertrauen und bietet ihnen die Chance, ihre einzigartige Sichtweise auf die Welt einem breiteren Publikum näherzubringen.

Somit profitieren auch Extravertierte vom Schreiben. Es ist nicht nur für diejenigen, die lieber in Ruhe ihre Gedanken formulieren wollen. Durchs Schreiben können Extravertierte ihre lebendige Energie verschriftlichen und gleichzeitig neue Erkenntnisse über sich selbst gewinnen.

Schreiben könnte für sie eine Brücke sein, die es ihnen erlaubt, die Vielfalt der Worte zu nutzen, um sich mit ihrer eigenen inneren Welt zu verbinden und ihre Persönlichkeit auf eine einzigartige Weise auszudrücken.

Also, liebe extravertierte Leserin, lieber extravertierte Leser dieses Blogbeitrags: Warum nimmst Du nicht den Stift in die Hand und erkundest die Welt durch Dein Schreiben? Die Antworten, die Du entdecken wirst, können genauso beeindruckend sein wie die lebhafte Energie, die du in die Welt bringst!

In einer Gesellschaft, die oft von lauten Stimmen und extravertierten Persönlichkeiten dominiert wird, fühlen sich viele Extravertierte von der Informationsflut mitgerissen. Die ständige Interaktion mit anderen Menschen lässt ihnen oft wenig Zeit, die eigenen Gedanken zu sortieren und sich mit ihrer Innenwelt zu verbinden. Doch genau hier liegt die unterschätzte Stärke des Schreibens, auch für Extravertierte.

Was bedeutet Extraversion überhaupt? Im Gegensatz zur Schüchternheit, die oft mit Introversion verwechselt wird, fühlen sich Extravertierte in sozialen Situationen meist wohl und blühen regelrecht auf. Sie gewinnen Energie durch den Austausch mit anderen Menschen und sind oft die treibende Kraft in Gruppen. Gespräche und Interaktion sind für sie eine natürliche Art der Selbstentfaltung.

Schreiben mag für einige Extravertierte anfangs ungewohnt erscheinen, da sie sich lieber mündlich ausdrücken und ihre Gedanken direkt teilen. Auch für lebhafte Persönlichkeiten kann das Schreiben in vielerlei Hinsicht bereichernd sein:

Reflektive Entdeckungsreise

Obwohl Extravertierte inmitten sozialer Aktivitäten aufblühen, können sie sich durch das Schreiben eine Auszeit nehmen, um ihre Gedanken und Emotionen zu reflektieren. Es ermöglicht ihnen, sich selbst besser kennenzulernen und die eigene innere Stimme zu stärken. Schreiben eröffnet eine Möglichkeit, sich der eigenen Gefühlswelt bewusst zu werden und eine bessere Verbindung zu sich herzustellen.

Klare Kommunikation

Extravertierte sind bekannt dafür, ihre Gedanken schnell und spontan auszudrücken. Das Schreiben gibt ihnen die Möglichkeit, ihre Ideen und Botschaften sorgfältig zu formulieren und ihre Mitteilungen auf den Punkt zu bringen. Es hilft, die Schnelligkeit mündlicher Kommunikation zu entschleunigen und erlaubt ihnen, ihre Gedanken klar zu strukturieren.

Selbstvertrauen und Bestätigung

Durch regelmäßiges Schreiben können Extravertierte ihr Selbstvertrauen stärken, da sie ihre Worte und Ideen auf Papier zum Ausdruck bringen und auch teilen können. Schreiben ermutigt sie, ihre einzigartige Sichtweise auf die Welt auszuleben und ihre Stimme zu finden. Dies kann eine wertvolle Quelle der Bestätigung sein und hilft, das Selbstbewusstsein zu stärken.

Stressabbau und Entspannung

Obwohl Extravertierte den sozialen Austausch lieben, kann dieser manchmal auch stressig sein. Schreiben bietet eine Möglichkeit, den Druck zu reduzieren und die Gedanken zu sortieren. Es ermöglicht ihnen, ihre Sorgen und Ängste zu bewältigen und eine gesunde Balance zwischen der Interaktion mit anderen und der Zeit für sich selbst zu finden.

Kreatives Potenzial entfesseln

Extravertierte sind oft sprudelnde Quellen der Kreativität. Schreiben ermöglicht es ihnen, ihre Fantasie auszuleben und neue Welten zu erschaffen. Sei es in Form von Geschichten, Gedichten oder Tagebucheinträgen – Schreiben eröffnet eine kreative Plattform, um ihre Ideen und Visionen mit der Welt zu teilen.

Insgesamt ist das Schreiben kein Widerspruch zur extravertierten Persönlichkeit. Es erweitert vielmehr die Möglichkeiten, sich auszudrücken, die eigene Kreativität zu zeigen und den Dialog mit anderen auf eine neue, reflektiertere Ebene zu bringen.

Wenn Du Dich als extravertierte Person mehr mit dem Schreiben beschäftigen möchtest, schau gerne auf meinen anderen Kanälen wie den Schreibgeflüster Podcast, meinen YouTube-Kanal vorbei oder werde Mitglied in meiner kostenlosen Facebook-Gruppe SCHREIBEN MACHT FREUDE. Dort findest du zahlreiche weitere Tipps und Anregungen.

29.10.23

Das Geheimnis zwischen Kennen und Können

In unserer ständig wachsenden und sich wandelnden Wissensgesellschaft ist das effektive Lernen und Behalten von Informationen unerlässlich geworden. In diesem Blogbeitrag geht es um die Rolle des Schreibens, um neues Wissen zu erwerben, es umzusetzen und langfristig auch beizubehalten.

Früher dachte man, dass sich das menschliche Wissen alle hundert Jahre verdoppelt. Aber mit der Digitalisierung, dem Internet und technologischen Neuerungen wie künstlicher Intelligenz hat sich diese Rate dramatisch erhöht. Schätzungen zufolge verdoppelt sich das Wissen heute bereits alle 12 Monate oder sogar noch schneller.

Gleichzeitig verblasst das neu erlernte Wissen schnell wieder, wenn es nicht regelmäßig angewandt oder wiederholt wird. Hermann Ebbinghaus, ein Pionier der Gedächtnisforschung, hat dieses Phänomen im 19. Jahrhundert untersucht. Er zeigte auf, wie rasch unser Gedächtnis Informationen verliert, wenn sie nicht erneut aufgefrischt werden. Dies illustriert auch die sogenannte Ebbinghaus-Vergessenskurve.

Schematische Darstellung der Ebbinghaus-Vergessenskurve

Das Ansammeln neuen Wissens – das „Kennen“ – ist für eine Vielzahl an Menschen bereits ausreichend. Wenn sie eine Information sehen oder hören, denken sie automatisch: „Das kenne ich bereits, das ist nichts Neues für mich.“ Diese Gedanken sind sehr verständlich, vor allem wenn wir etwas schon länger wissen. 

Allerdings bergen sie die Gefahr, dadurch einen großen Denkfehler zu begehen. Denn unser Gehirn ist aufgrund einer solchen Einstellung automatisch weniger aufmerksam und offen für weitere Informationen. Dadurch entgehen uns womöglich kleine und gleichzeitig wichtige Details, die wir beim ersten Mal gar nicht erkennen konnten, weil wir damals noch gar keinen Bezug zu diesem für uns völlig neuen Thema hatten. 

Die zusätzlichen Informationen könnten jedoch für uns wichtig sein, um das Wissen auf die nächsten Stufen zu bringen. In der Schule hat man uns leider nicht beigebracht, dass wir beim Lernen verschiedene Kompetenzstufen durchlaufen, die von der bloßen Anhäufung dieses Wissen bis hin zur Fähigkeit reichen, es kreativ und in neuem Zusammenhang anzuwenden. 

Erst, wenn Du Dich an dieses Wissen nicht nur passiv erinnerst, sondern es auch verstehst, wirst Du in der Lage sein, es auch in Deinen alltäglichen Handlungen umzusetzen. Deine Umsetzung regelmäßig zu reflektieren wird Dich schrittweise vom „kennen“ zum „können“ bringen. Erst dann wirst Du sein volles Potenzial nutzen können, indem Du es in einem völlig neuem Zusammenhang kreativ einsetzen kannst. 

Ein populäres Modell, das diesen Prozess beschreibt, ist die Taxonomie von Bloom. Es beginnt mit dem reinen „Kennen“, dem Erinnern von Fakten, und steigert sich bis zum „Erschaffen“, dem Kreieren von Neuem auf Basis unseres Wissens. Nur durch das Durchlaufen aller dieser Stufen können wir sicherstellen, dass unser Lernen tiefgreifend und nachhaltig ist. 

Schematische Darstellung von Blooms Taxonomie

Schreiben unterstützt Dich bei diesem Prozess auf jeder Ebene, indem es Dir ermöglicht, Dein Verständnis zu artikulieren, zu reflektieren und zu vertiefen. Somit ist Schreiben wichtig, um neues Wissen zu verstehen, es umzusetzen und später dann, um Dein neues Können nicht nur zu behalten, sondern auch weiter zu verbessern.

Starten wir zuerst beim Erwerb neuen Wissens. Hier unterstützt Dich Schreiben bei Deinem kognitiven Prozess, der Dein Denken, Lernen und Verstehen beeinflusst. Beim Schreiben verarbeitest Du Informationen aktiv, indem Du sie analysierst, organisierst und in eigenen Worten wiedergibst. 

Dieser Prozess fördert das tiefere Verständnis eines Themas. Forschungen zeigen, dass handschriftliches Schreiben im Vergleich zum Tippen auf einer Tastatur zu einer besseren Gedächtnisleistung beiträgt. Schreiben ermöglicht Dir außerdem, Dein Wissen und Verständnis zu reflektieren, Wissenslücken zu identifizieren und diese gezielt zu schließen.

Notizen zu machen, kann auf den ersten Blick einfach erscheinen, doch es sollte nicht bloßes Abschreiben sein. Stattdessen sollte Notieren das Ergebnis aktiven Zuhörens oder Lesens sein, bei dem Du den Inhalt kritisch betrachtest und in eigene Worte fasst. Beim Notieren ist es wichtig, Hauptpunkte von Nebenpunkten zu unterscheiden und die Informationen entsprechend zu strukturieren.

Nach dem Anfertigen Deiner Notizen folgt als nächster Schritt die Auswertung und Organisation Deines neu gewonnenen Wissens. Verbinde verwandte Themen und Konzepte miteinander, um schrittweise daraus Dein persönliches Wissensnetzwerk zu erstellen. Stelle sicher, dass Du immer wieder auf Deine Notizen zurückgreifst. Diese regelmäßige Wiederholung festigt das Gelernte und zeigt, welche Bereiche noch Aufmerksamkeit erfordern.

Zusätzlich ist das regelmäßige Schreiben, etwa in Form von Zusammenfassungen, eine exzellente Methode, um Dein Wissen zu überprüfen. Beim Schreiben musst Du Deine Gedanken strukturieren und logisch darstellen, was das Verständnis weiter vertieft. Lasse Deine Texte auch von anderen lesen. Feedback zeigt Dir, wo Du bereits sicher im Thema bist und wo noch Unklarheiten bestehen. Eine wunderbare Möglichkeit dafür bietet Dir ein Blog, wo Du über Deine neuesten Erkenntnisse schreiben könntest.

Neben der Wissensverankerung hilft das Schreiben außerdem dabei, am jeweiligen Wissen dranzubleiben. Hast Du schon einmal darüber nachgedacht, ein Lerntagebuch oder ein Fortschrittsjournal zu führen? Sie ermöglichen Dir, Deinen Lernweg zu dokumentieren und festzuhalten, welche Fähigkeiten Du bereits erworben hast und welche noch gefestigt werden müssen.  

Dein Fortschrittsjournal könnte Dich auch dabei unterstützen, Deine Fertigkeiten und Fähigkeiten lebendig zu halten und nicht nur das theoretische Wissen zu konservieren, sondern auch das praktische Können zu dokumentieren. Denn Theorie ohne Praxis verblasst mit der Zeit. Dokumentiere alle Beispiele, bei denen Du Dein neues Wissen angewandt hast oder reflektiere schriftlich über Deine Erfahrungen. 

Schreiben ermöglicht Dir dabei, Deine Fähigkeiten ständig zu überdenken und zu aktualisieren. Wenn Du eine neue Technik oder Methode erlernst, schreibe darüber, wie Du sie in der Praxis angewandt hast, welche Herausforderungen Du dabei hattest und wie Du diese überwunden hast. Dies hilft nicht nur, Dein Können zu festigen, sondern auch, es in zukünftigen Situationen effektiver einzusetzen. 

Die höchste Stufe erkennst Du daran, wenn Du in der Lage bist, dieses Wissen kreativ in einem anderem Zusammenhang einzusetzen. Solche Inspirationen tauchen häufig nebenbei und mit einer scheinbaren Leichtigkeit auf, dass Du sie unter Umständen gar nicht bemerkst. Sie könnten plötzlich bei einem Spaziergang, unter der Dusche, bei der Hausarbeit oder auch in einem Gespräch auftauchen. Nachdem solche Ideen sehr flüchtig sind, schreibe sie Dir sofort auf, damit Du sie keinesfalls vergisst.

Du siehst also, dass Schreiben beim Wissenserwerb wichtige Aufgaben erfüllt, damit Du von „Kennen“ zum „Können“ gelangst. Durch aktives, bewusstes und reflektiertes Schreiben wirst Du Dein Know-how nicht nur festigen, sondern auch in echte, anwendbare Fähigkeiten umwandeln, um sie später kreativ in neuem Zusammenhang einsetzen zu können. Du wirst dadurch das neue Wissen langfristig gesehen noch besser für Dich nutzen können.

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