3.7.22

Richtig planen

Wenn Du ein Haus bauen möchtest, nimmst Du dafür einen Plan. Auch für Schreib- oder andere Kreativprojekte wirst Du über kurz oder lang ebenfalls einen Plan benötigen. Manche denken, dass planen überbewertet wird. Du schreibt einfach drauflos und später bist Du damit fertig. Ja, ich kenne diese Sichtweise. Das kann vielleicht in Ausnahmefällen funktionieren. Ich mache es nicht und daher kann ich es auch niemandem empfehlen. 

Die Wahrscheinlichkeit, dass später nicht das Ergebnis rauskommt, das Du Dir ursprünglich vorgestellt hast, ist sehr hoch. Unter Umständen stellst Du später fest, dass Du etwas Wesentliches vergessen hast und benötigst hinterher tage- oder wochenlang für die Überarbeitung. Das muss nicht sein. Durch die richtige Planung kannst Du so etwas von vornherein vermeiden. 

Falls Du mir schon eine Weile auf Social Media folgst, wirst Du wissen, dass auch ich mein aktuelles gestartet habe, noch bevor ich genau wusste, was es genau werden wird, also noch bevor ich einen konkreten Plan entwickelt hatte. 

Für den Start eines Kreativprojekts ist auch noch keinen Plan erforderlich. Den benötigst Du erst später für die Durchführung. Genau deshalb gibt es diesen Blogbeitrag, denn es geht zuerst einmal darum, einen Projektplan zu erstellen.

Die meisten Projekte besteht aus drei Phasen: der Startphase, der Durchführungsphase und der Abschlussphase. Und Planung ist Teil der Startphase. Idealerweise enthält Dein Projektplan die folgenden Elemente:
  1. Gründe: Notiere Dir alle wichtigen Gründe, warum Du Dein Projekt startest. Bitte überspringe niemals diesen wichtigen Schritt! Es ist ein großer Unterschied, ob Du schwarz auf weiß aufschreibst, warum Du Dein Projekt beginnst oder ob Du es Dir nur denkst. Gedanken sind flüchtig. Was Du aufgeschrieben hast, kannst Du Dir jederzeit wieder ansehen und das kann später, falls Du einen Durchhänger hast, noch wichtig werden.
  2. Ergebnis: Schreibe Dir auf, was das Ziel Deines Projekts ist. Sei dabei möglichst genau. Welche konkreten Resultate möchtest Du damit erreichen? Woran erkennst Du, dass dieses Ergebnis erreicht ist? Sind es vielleicht mehrere? Je präziser Du das aufschreibst, desto einfacher wird es später. Orientiere Dich an der SMART-Regel zur Zieldefinition. Die Buchstaben sind Abkürzungen für Kriterien, denen Dein Ziel entsprechen sollte: S = spezifisch, M = messbar, A = ansprechend, R = realistisch, T = als Termin festgelegt.
  3. Aufgaben: Liste alle Aufgaben und Teilschritte auf, um das gewünschte Projektergebnis zu erreichen. Bitte überspringe gerade diesen wichtigen Schritt nicht! Gerade am Anfang, wenn Du ein neues Projekt startest, wirst Du vielleicht noch nicht alle Informationen bis ins kleinste Detail wissen. Das ist am Anfang jedes Projekts ganz normal. Schreibe Dir zuerst das auf, was Du weißt und danach, welche weiteren Informationen noch fehlen. 
    Überlege Dir, wie Du an die fehlenden Informationen gelangen könntest. Was wären vertrauenswürdige Quellen? Gibt es jemanden, den Du kennst, der damit Erfahrungen hat und Dir bei diesen Einschätzungen helfen kann? Notiere Dir alles, das Du aus solchen Gesprächen erfährst und arbeite diese Informationen in die Aufgabenliste ein.
  4. Rollen: Wenn Du im Team arbeitest, ist eine klare Rollenverteilung mit Aufgabenbereichen und Verantwortlichkeiten unumgänglich: Wer ist wofür zuständig?
  5. Zeitplan: Nun geht es darum, die Aufgaben aus Punkt 3 in eine logische Reihenfolge zu bringen. In welcher Reihenfolge können die Aufgaben durchgeführt werden? Gibt es Aufgaben, die parallel stattfinden können? Ein genauer Projekt-Zeitplan erleichtert Dir später die Umsetzung, weil Du nicht erst darüber nachdenken musst, was in welcher Reihenfolge zu erledigen ist.
  6. Ressourcenplan: Klare Vorgaben für alle für Dein Projekt notwendigen Ressourcen (Budget, Ausrüstung, Produktionsmittel, Informationen, weitere Mitarbeitende im Team): Wenn Du an längeren Projekten arbeitest, die unter Umständen zeit- und personalintensiv sind, solltest Du ganz klare Vorgaben definieren, damit das Projekt nicht aus dem Ruder läuft. 
  7. Annahmen und Voraussetzungen: Was muss beachtet werden, damit dieses Projekt zu einem Erfolg wird? Welche Bedeutung hat das Projekt auf Deine anderen Lebensbereiche? Gibt es weiteren Aufgaben, die Du parallel zum Projekt erledigen musst? Welche Aufgaben sind eventuell eine Voraussetzung, damit dieses Projekt umgesetzt werden kann? Wen brauchst Du als Unterstützung, der zwar nicht beim Projekt mitarbeitet, den Du vielleicht für andere Lebensbereiche benötigst? Wer kann Dich bei der Umsetzung einschränken oder davon abhalten, weil er oder sie Bedürfnisse oder Erwartungen hat, die dem Projekt entgegenstehen? Wie kannst Du alle Menschen, die Du für Dein Projekt direkt oder indirekt benötigst, frühzeitig einbinden? Gibt es eventuell etwas, das währenddessen wichtig oder wichtiger werden können, das Du frühzeitig berücksichtigen solltest? Wer würde noch von Deinem Projekt profitieren?
  8. Risiken: Weder die Vogel-Strauß-Methode, wo Risiken von vornherein ignoriert werden noch die Hoffnung, dass nie Probleme auftreten könnten sind sinnvolle Strategien für Dein Risiko-Management. Liste alles auf, was den Erfolg Deines Kreativprojektes in Gefahr bringen könnte und überlege Dir schon jetzt Pläne, wie Du die Auswirkungen dieser Risken verhindern oder zumindest abmildern könntest. 

12.6.22

Schätzt Du Deine Fähigkeiten richtig ein?

Denkfehler oder sogenannte „kognitive Verzerrungen“ kommen ständig vor. Einer der häufigsten Denkfehler ist der „Dunning-Kruger-Effekt“. Davon spricht man, wenn jemand seine Fähigkeiten nicht richtig einschätzt.

Der Dunning-Kruger-Effekt wurde nach den beiden Sozialpsychologen David Dunning und Justin Kruger benannt. Sie haben im Jahr 1999 Studierende einem kognitiven Leistungstest unterzogen.  Danach haben sie diese in vier Gruppen eingeteilt: die mit ausgezeichneten Ergebnissen, die guten, die weniger guten und die mit den schlechtesten Ergebnissen. Bevor sie ihnen die Ergebnisse mitgeteilt haben, wurden diese befragt, was sie glauben, wie sie abgeschnitten haben. Interessanterweise war die Einschätzung der Studierenden, unabhängig vom jeweiligen Testergebnis, in etwa gleich. 

Die besten hatten ihre Kenntnisse unterschätzt und ihre Ergebnisse waren besser als die eigene Einschätzung. Die zweitbesten schätzten ihre Leistung auch nicht so gut ein. Bei den folgenden beiden Gruppen kam es hingegen zu einer Überschätzung der eigenen Fähigkeiten. Bei den weniger guten waren die Ergebnisse deutlich schlechter. Besonders groß war der Unterschied bei den Studierenden mit den schlechtesten Testergebnissen. Ihre Selbsteinschätzung stand in keinem Zusammenhang mit dem Testergebnis, weil sie dachten, dass sie viel besser wären. 

Hier siehst Du den Unterschied zwischen Ergebnis und Selbsteinschätzung dargestellt.
Dunning-Kruger-Effekt (nach Kai-Uwe Kanning)
Dunning-Kruger-Effekt
(Darstellung nach Prof. Uwe Peter Kanning)

Eventuell bist Du bereits Menschen begegnet, die sehr selbstbewusst aufgetreten sind und der festen Überzeugung waren, sie wüssten über etwas optimal Bescheid. Innerhalb kürzester Zeit stellte sich jedoch heraus, dass sie davon leider gar keine Ahnung hatten und sich dieser Ahnungslosigkeit nicht einmal bewusst waren. Oder Du hast andere getroffen, die auf einem Gebiet viel besser als alle anderen sind und sich selbst schlechter einschätzen als sie in Wirklichkeit sind. Das sind typische Beispiele für den Dunning-Kruger-Effekt.

Schreiben kann Dich dabei unterstützen, den Dunning-Kruger-Effekt bei Dir möglichst gering zu halten. Es gibt eine sehr einfache Schreibtechnik, die Du immer und jederzeit einsetzen kannst. Wenn Du diese regelmäßig anwendest, lernst Du Dich und Deine eigenen Fähigkeiten immer besser kennen. Dadurch wird Deine Selbsteinschätzung immer besser. Diese Schreibtechnik nennt sich „Feedback an sich selbst“ und wurde bereits vom bekannten Managementvordenken Peter F. Drucker dazu genutzt, um seine Vorhersage bei wichtigen Management-Entscheidungen zu dokumentieren: 

Schreibe Dir bei besonderen Ereignissen, wichtigen Besprechungen, großen Entscheidungen oder auch bei Prüfungen vorher Deine Einschätzung, Erwartung oder Prognose auf. Hinterher vergleichst Du Deine Vorhersage mit dem tatsächlichen Ergebnis. Je häufiger Du das machst, desto besser wirst Du darin, Dich selbst richtig einzuschätzen. 

Zur „Feedback an sich selbst“-Schreibtechnik gibt von mir auch ein YouTube-Video.

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